TV-Dokumentationen
über die
Stummfilmzeit

 

In loser Folge werden an dieser Stelle Fernseh-Dokumentationen vorgestellt, die sich mit der Thematik rund um die Stummfilmzeit beschäftigen. Dies sind beispielsweise ganz allgemeine Dokus, auch Portraits über Regisseure und Schauspieler der Stummfilmära, Berichte über Uraufführungen oder die Restauration von Stummfilmen etc.

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INDEX
Schauspieler
   1) Liebe, Tod und Teufel. Greta Garbos frühe Filme
   2) Paul Wegener. Der Mann, der "Der Golem" war
   3) Conrad Veidt, ein Spiegelmensch
   4) Lillian Gish - Mein Leben als Schauspielerin
   5) Lulu in Berlin (Louise Brooks)

Regisseure
   1) Bitte recht ausdrucksvoll! Der Filmpionier F. W. Murnau
   2) Fritz Lang. Die Stimme von Metropolis
   3) Victor Sjöström
   4) Lubitsch aus Berlin
   5) In Eis und Schnee - Der Regisseur Arnold Fanck

Filme
   1) "Frau im Mond". Der erste "wissenschaftliche" Science-Fiction-Film
   2) Der erste Western: "Der große Eisenbahnraub"
   3) Gefährliche Neigungen: Die Skandalgeschichte von "Anders als die Andern"
   4) "Potemkin" in Berlin. Ein Kapitel Eisenstein
   5) on screen: Nosferatu
   6) Die Enkel von Nanuk, dem Eskimo
   7) Vor 60 Jahren Metropolis uraufgeführt

Länder
   1) Dämonische Leinwand. Der deutsche Film nach dem Ersten Weltkrieg
   2) Der Kuß des Eisbären. Der skandinavische Stummfilm in Deutschland 1909-1929
   3) Kino Europa - Die Kunst der bewegten Bilder
        Teil 4: Musik des Lichts (Frankreich)

Collagen
   1) Lyrisches Nitrat
   2) Kafka geht ins Kino
Themen
   1) Tabus von Vorgestern. Der Sitten- und Aufklärungsfilm der 20er Jahre
   2) Saturn - Die erotischen Anfänge der österreichischen Kinematographie
   3) Als man anfing zu filmen... Der Filmpionier Oskar Messter

Gesamtdarstellungen
   1) Das goldene Zeitalter der Kinematographie (1+2)
   2) Hollywood 
       1. The Pioneers
       2. In the Beginning
       3. Single Beds and Double Standards
       4. Hollywood Goes to War
       9.  Out West

Restaurierung
   1) Nostalgie in Zelluloid
   2) Alte Filme in neuem Glanz. Wie Photoplay in London Stummfilme restauriert (1+2)
   3) Die Auferstehung der Nibelungen. Die Rekonstruktion des Films von Fritz Lang
   4) Pabst wieder sehen
Musik
   1) Musik im Stummfilm
   2) When Silence Sings - Wenn stumme Bilder singen
   3)  Musik für stumme Bilder - Neue Suche nach der Tonspur
Sonstiges
   1) Stoppt den Tonfilm!
   2) Laterna Magica - Die Wunder-Schau
   3) Das Rätsel um den ersten Film
   4) Palora - Das Wanderkino
   5) Die langen Ferien der Lotte H. Eisner

 

Schauspieler

1) LIEBE, TOD UND TEUFEL - GRETA GARBOS FRÜHE FILME  

Portrait von Angelika Kettelhack, Deutschland 1987, 57 Min.

Diese Dokumentation bietet sehr viele Fotos von Greta Garbo, z. B. Starportraits, Bilder vom Set und einige Privatfotos aus der Kindheit. Ebenso viele Filmausschnitte von DIE FREUDLOSE GASSE (D 1925) bis DER KUSS (USA 1929). Es geht hier speziell um die Stummfilme der Garbo und um ihren Werdegang in den Metro-Goldwyn-Mayer Studios. Einführend gibt es auch einige biographische Infos. Abgerundet wird dieses Film-Portrait mit mehreren Interviews. Es kommen zu Wort u.a. Frederick Sands (Garbo-Biograph), Rudolf Arnheim und Friedrich Luft, die auch manch Privates über Greta Garbo zu erzählen haben. Interessant ist ein Experiment: Es wird versucht, die ausgeklügelte Ausleuchtung des Gesichts der Garbo mit heutigen Mitteln nachzustellen - in scharz/weiß natürlich!

2) PAUL WEGENER - DER MANN DER "DER GOLEM" WAR

Porträt von Heinz Steike u. Fred Dobberphul, Deutschland 1981, BR, 45 Min.

Das Porträt befasst sich mit Leben und Werk von Paul Wegener. Er studierte Kunstgeschichte. Er tat freiwillig Dienst im Ersten Weltkrieg, mußte aber die Front wegen Krankheit verlassen. Sein Hang zur Geisteswelt Alt-Chinas und die Neigung zu fernöstlichen Geheimnissen schlägt sich in seinem Filmschaffen nieder (LEBENDE BUDDHAS, DAS HAUS DES YOGHI). Wegeners (fünfte) Ehefrau, Elisabeth Rohwer-Wegener, berichtet, ihr Mann habe sogar Vorträge vor Fachleuten über die altchinesische Kultur gehalten. Er versammelte an die 100 Buddha-Statuen in seinem Haus. Die Doku bietet viele Fotos aus Wegeners jüngeren und älteren Jahren, sowie Fotos seiner zahlreichen Theaterrollen. Vor allem interessant sind die Ausschnitte aus den raren Filmen von/mit Paul Wegener, bzw. Ausschnitte von noch erhaltenen Fragmenten wie z. B. der ersten GOLEM-Verfilmung (s. Auflistung unten). Interviewt werden zudem Lotte Reiniger (das ist die Dame, die mit ihren Silhouetten-Filmen weltberühmt geworden ist und an Wegeners DER VERLORENE SCHATTEN mitwirkte) und der Wegener-Biograph Kai Möller, der den Schauspieler persönlich gekannt hat. Die Doku zitiert häufig aus Wegeners eigenen Aufzeichnungen die Kunst und die Technik des Films betreffend („Der Dicher des Films muß die Kamera sein“). Das Porträt schließt mit einem Bild von Paul Wegeners Grab auf dem Friedhof in Berlin (am Olympia-Stadion), das von einem Buddha bewacht wird – der heute allerdings größtenteils zerstört ist.

Der Golem, wie er in die Welt kam (D 1920, R: Carl Boese, Paul Wegener; D: Paul Wegener, Albert Steinrück, Lyda Salmonova, Ernst Deutsch
Der Golem (D 1915, R: Henrik Galeen, Paul Wegener; D: Paul Wegener, Lyda Salmonova, Rudolf Blümner, Henrik Galeen)
Das Haus des Yoghi (D 1916, R: Rochus Gliese, Paul Wegener; D: Paul Wegener, Hedwig Gutzeit, Lyda Salmonova)
Lebende Buddhas (D 1925, R: Paul Wegener; D: Paul Wegener, Asta Nielsen, Käte Haack, Carl Ebert)
Hans Trutz im Schlaraffenland (D 1917, R: Paul Wegener; D: Paul Wegener, Ernst Lubitsch, Rochus Gliese, Fritz Rasp, Lyda Salmonova)
Sumurun (D 1920, R: Ernst Lubitsch; D: Pola Negri, Paul Wegener, Ernst Lubitsch, Jenny Hasselqvist)
Der verlorene Schatten (D 1920, Buch: Paul Wegener, R: Rochus Gliese; D: Wilhelm Bendow, Lyda Salmonova, Paul Wegener, Greta Schröder)
Vanina oder Die Galgenhochzeit (D 1922, R: Arthur von Gerlach; D: Asta Nielsen, Paul Wegener, Paul Hartmann)
Svengali (D 1927, R: Gennaro Righelli; D: Paul Wegener, Hertha von Walther, Alexander Granach)
Kolberg (D 1943-45, R: Veit Harlan; D: Heinrich George, Kristina Söderbaum, Paul Wegener, Gustav Diessl)

3) CONRAD VEIDT, EIN SPIEGELMENSCH

Filmessay von Fred Gehler u. Ullrich Kasten, Deutschland 1992, ORB, 30 Min.

Die Doku bringt einige Filmausschnitte und beschränkt sich dabei auf Stummfilme von Conrad Veidt. Auch jede Menge Fotos (Starportraits und Privataufnahmen) kommen vor. Über der ganzen Doku liegt eine Sprecherstimme. Keine Interviews. Clips und Fotos werden mittels Zitate (mal von Veidt himself, mal von einem Biographen) kommentiert. Veidt wurde in Berlin geboren, abseits der City, in der Tieckstraße. Den früh verstorbenen Vater kannte er kaum. Er pendelte zwischen Potsdam und Berlin. Er glaubte, daß die Umgebung ihn geprägt habe. Veidt stand auf den Brettern von Max Reinhardts Theater, entdeckte dann aber seine Passion für den Film. Die Doku zitiert Veidt, er habe sich mittels Autosuggestion, wenn nicht Besessenheit, in seine Rollen vesenkt. Eine Plakate verschollener Veidt-Filme wie SATANAS, SEHNSUCHT und DER JANUSKOPF (alle 1920, und alle Regie: F. W. Murnau) fließen in die Doku mit ein. In erster Ehe war Conrad Veidt mit Gussie Holl verheiratet. Danach ehelichte er Felicitas Radtke. Seine Tochter Vera Viola Maria wurde 1925 geboren. Sein Biograph beschrieb ihn als bescheidenen Menschen. Immer wieder werden Filmausschnitte gewählt, die für den Dualismus (Gut und Böse) in der menschlichen Seele stehen (DAS CABINET DES DR. CALIGARI, D 1920), bzw. Filmszenen, in denen Spiegelmotive vorkommen (DIE BRÜDER SCHELLENBERG, D 1926; FLUCHT IN DIE NACHT, I 1926; DER STUDENT VON PRAG, D 1926), ein Phänomen des deutschen Films der Nachkriegsjahre. Veidt spielte Rollen in Filmen von Richard Oswald, dem Vorreiter des „Sitten- u. Aufklärungsfilms“, die Tabus brachen – ein Spiegel der Zeit. Veidt gab ihm ein Gesicht.

4) LILLIAN GISH - MEIN LEBEN ALS SCHAUSPIELERIN

Film von Terry Sanders, USA 1988, American Film Foundation, NDR, 55 Min.

In dieser Doku aus dem Jahr 1988 erzählt die damals 94-jährige Lillian Gish aus der Erinnerung aus ihrem Leben. Die Familie war arm, der Vater verstarb früh und mehr aus Notwendigkeit, so Gish, wurden sie und ihre Schwester Dorothy von der Mutter am Wandertheater untergebracht. Vor dem Rest der Familie verschwieg man aus Scham diese Form des Geldverdienens. Lillian Gishs Filmkarriere ist untrennbar verbunden mit der von David Wark Griffith, dem Pionier des amerikanischen Kinos. Lillian und Dorothy Gish wurden 1912 von Mary Pickford (die sie unter ihrem richtigen Namen Gladys Mary Smith kannten) bekanntgemacht. Es folgten Probeaufnahmen. Der erste Film unter Griffiths Regie wurde AN UNSEEN ENEMY (1912). Gedreht wurde noch in New York. Zunächst ging nur Dorothy Gish mit Griffith nach Hollywood. Lillian und die Mutter folgten später nach. Lillian Gish erzählt, was es zur damaligen Zeit bedeutete, Schauspieler/in zu sein. Es gab noch keine Gewerkschaften, man arbeitete aus Interesse und weil es Spaß machte zwölf Stunden am Tag und das schon mal sieben Tage in der Woche. Man war stolz darauf, gemeinsam etwas möglichst perfektes für die Leinwand abzuliefern. Gish berichtet, die Dreharbeiten für BIRTH OF A NATION (1915) hätten neun Wochen gedauert. Jede Szene sei nur einmal gedreht worden und der Film habe $ 61.000 gekostet. Kein Kino wollte den Film bringen, so wurde er schließlich in einem Theater aufgeführt mit Orchester, Geräuscheffekten und großem Erfolg. Alles Geld, so Gish, das Griffith bei diesem Projekt verdient hat, habe er in das noch größere Unterfangen INTOLERANCE (1916) gesteckt, den Gish für den immer noch besten Film überhaupt hält. Lillian Gish hat hier nur eine sehr kleine Rolle: Zwischen den Episoden und um diese miteinander zu verbinden, schaukelt sie eine Wiege. Ansonsten sei sie stark an der Entwicklung des Drehbuchs beteiligt gewesen. ORPHANS OF THE STORM (1921) wurde der letzte gemeinsame Film von D. W. Griffith und Lillia Gish, ein künstlerischer und kommerzieller Erfolg. Während die Gish daraufhin für kurze Zeit nach Italien ging und schließlich zurück in den USA bei MGM ihre Karriere nahtlos fortsetzen konnte und ein hochbezahlter Star wurde, begann Griffiths Stern zu sinken. Sie erzählt, daß sie sich persönlich bei Frauenverbänden und der Kirche dafür einsetzen mußte, daß der Film THE SCARLET LETTER (1926) gedreht werden konnte. Es geht hier um eine junge Frau, die im puritanischen Amerika ein uneheliches Kind bekommt und dafür ein Schandmal tragen muß. Lillian Gish spielte in ihren Filmen oft die zarte, zerbrechliche Heldin. In den 30er Jahren ging sie zurück zu ihrer ersten Liebe, dem Theater. Nur noch selten trat sie im Film und später in Fernsehfilmen auf. Gish betont, sie habe niemals eine Schauspielschule besucht. Sie habe von den Menschen gelernt und mit Phantasie gespielt. Sie bekam 1971 den Ehrenoscar für ihr Gesamtwerk und dafür, daß sie sich für die Konservierung des Films einsetzte, eine für sie unbedingt wichtigen Angelegenheit. Die Doku bringt Clips aus folgenden Filmen:

Lena and the Geese (USA 1912, R: D. W. Griffith; D: Mary Pickford, Kate Bruce, Claire McDowell, J. Jicquel Lanoe)
An Unseen Enemy (USA 1912, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Dorothy Gish, Elmer Booth, Robert Harron)
Home, Sweet Home (USA 1914, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Henry B. Walthall, Dorothy Gish, Mae Marsh, Spottiswoode Aitken)
The Battle at Elderbush Gulch (USA 1913, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Henry B. Walthall, Spottiswoode Aitken, Miriam Cooper)
Sold For Marriage (USA 1916, R: Christy Cabanne; D: Lilian Gish, Walter Long, Frank Bennett, Pearl Elmore)
The Mothering Heart (USA 1913, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Walter Miller, Kate Bruce, Viola Barry)
Judith of Bethulia (USA 1914, R: D. W. Griffith; D: Blanche Sweet, Henry B. Walthall, Mae Marsh, Liliian Gish, Robert Harron)
Birth of a Nation (Die Geburt einer Nation, USA 1915, R: D. W. Griffith; D: Mae Marsh, Lillian Gish, Henry B. Walthall, Miriam Cooper, Mary Alden)
Intolerance (USA 1916, R: D. W. Griffith; D: Mae Marsh, Robert Harron, Sam de Grasse, Lillian Gish, Miriam Cooper)
Way Down East (Weit unten im Osten, USA 1920, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Richard Barthelmess, Kate Bruce, Lowell Sherman, Creighton Hale)
Orphans of the Storm (Zwei Waisen im Sturm, USA 1921, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Joseph Schildkraut, Dorothy Gish, Frank Losee, Katherine Emmet)
La Boheme (Mimi aka Das Hohelied der Liebe, USA 1926, R: King Vidor; D: Lillian Gish, John Gilbert, Renée Adorée, George Hassell, Gino Corrado)
The Scarlet Letter (Der rote Buchstabe, USA 1926, R: Victor Sjöström; D: Lillian gish, Lars Hanson, Henry B. Walthall, Karl Dane)
The Wind (Der Wind, USA 1928, R: Victor Sjöström; D: Lillian Gish, Lars Hanson, Montagu Love, Dorothy Cumming, Edward Earle)
Broken Blossoms (Gebrochene Blüten, USA 1919, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Richard Barthelmess, Donald Crisp, Arthur Howard)
Night of the Hunter (Die Nacht des Jägers, USA 1955, R: Charles Laughton; D: Lillian Gish, Robert Mitchum, Shelley Winters, James Gleason)
Whales of August (Wale im August, USA 1987, R: Lindsay Anderson; D: Lillian Gish, Bette Davis, Vincent Price, Mary Steenburgen, Anne Sothern)


5) LULU IN BERLIN


Interview. Von Richard Leacock und Susan Woll, USA 1984, Brooks Project Inc., 50 Min.

Richard Leacock führte dieses Interview mit der damals 77-jährigen Louise Brooks in ihrem Appartment nur ein Jahr vor ihrem Tod. Ein wertvolles filmisches Dokument - und zugleich ein ungewöhnlicher Anblick; man muß schon genau hinsehen, um in der langhaarigen alten Dame die Louise Brooks wiederzuerkennen, die man aus DIE BÜCHSE DER PANDORA in Erinnerung hat und die seit 1938 in keinem Film mehr aufgetreten und nur noch als Malerin oder Schriftstellerin in Erscheinung getreten war. Bei diesem Gespräch geht es hauptsächlich um Louise Brooks' Zeit in Berlin, als sie Ende der 20er Jahre Hollywood den Rücken kehrte und unter G. W. Pabst DIE BÜCHSE DER PANDORA und TAGEBUCH EINER VERLORENEN gedreht hat. Wir erfahren von ihr - immer mal wieder untermalt mit Filmausschnitten und Szenenfotos - , daß zunächst Marlene Dietrich für die Rolle der Lulu in PANDORA vorgesehen war. Interessant ist ihr Statement über sich selbst, daß sie sich nie als wirkliche Schauspielerin gesehen hat; angeblich versuchte sie beim Dreh nur sich selbst zu verkörpern, was das schwierigste überhaupt sei. Brooks berichtet über die Dreharbeiten mit Pabst, dieser habe nie ein Drehbuch am Set verwendet, da er alles im Kopf parat hatte. Er sei ein guter Psychologe gewesen, der mit jedem Schauspieler umzugehen wußte. Auch sonst hat sie nur Lob für G. W. Pabst übrig. Louise Brooks berichtet über diverse Anekdoten mit wahrer Erzählfreude. Leider wird sie manchmal von Richard Leacock mit Zwischenfragen unterbrochen, was ihren Erzählfluß hemmt. Sie geht weiterhin auf andere Schauspieler ein, bzw. sagt sie, was sie von denen hält, wie z. B. Fritz Rasp, Valeska Gert, Greta Garbo, Leni Riefenstahl und Alice Roberts. Dieses Interview erscheint als Bonus auf der Criterion-DVD "Pandora's Box". Ausschnitte aus den folgenden Filmen kommen vor:

Berlin - Die Sinfonie der Großstadt (D 1927, R: Walter Ruttmann)
Der Blaue Engel (D 1930, R: Josef von Sternberg; D: Marlene Dietrich, Emil Jannings, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers)
Die Büchse der Pandora (D 1929, R: G. W. Pabst; D: Louise Brooks, Fritz Kortner, Franz Lederer, Alice Roberts, Gustav Diessl)
Tagebuch einer Verlorenen (D 1929, R: G. W. Pabst; D: Louise Brooks, Fritz Rasp, Valeska Gert, Sybille Schmitz, André Roanne)
Die freudlose Gasse (D 1925, R: G. W. Pabst; D: Werner Krauss, Asta Nielsen, Greta Garbo, Ivan Petrovich, Jaro Fürth)
Die weiße Hölle vom Piz Palü (D 1929, R: Arnold Fanck, G. W. Pabst; D: Leni Riefenstahl, Gustav Diessl, Kurt Gerron, Ernst Udet, Mizzi Götzel)
Triumph des Willens (D 1935, R: Leni Riefenstahl)
Prix de Beauté aka Miss Europe (Preis der Schönheit, F 1930, R: Augusto Genina; D: Louise Brooks, Georges Charlia, Augusto Bandini)


Regisseure

1) "BITTE RECHT AUSDRUCKSVOLL!" -  DER FILMPIONIER F. W. MURNAU

Dokumentation von Kay Dethlefs, Deutschland 1988, 30 Min.

Diese Doku von 1988 dokumentiert die Bemühungen Heinrich Grevensteins, in der Geburtsstadt von F. W. Murnau, Bielefeld, eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des berühmtesten Sohnes der Stadt auf die Beine zu stellen. Interviewt wird die Nichte Murnaus, Ursula Plumpe. Sie besitzt noch altes Mobiliar ihres Onkels aus seiner Berliner Villa aus den 20ern. Gezeigt werden Bilder von der Stadt Bielefeld, wo Murnau die ersten vier Jahre seines Lebens verbracht hat, und von Kassel, wo er das Albert-Schweitzer-Gymnasium besuchte. Die Doku blättert im Fotoalbum der Familie Plumpe (sowie in Murnaus Reisepaß!) und berichtet über die Stationen im Leben des jungen Murnau, der bereits in Kindertagen Theaterstücke mit Kindern aus der Nachbarschaft nachspielte, die er zuvor im Hoftheater gesehen hatte. Erstmals gab er sich den Künstlernamen Murnau in Berlin, wo er Kunstgeschichte studierte und sich einem Studententheater anschloß. Dort wurde er von Max Reinhardt entdeckt. Murnau war im Ersten Weltkrieg Fliegeroffizier und überlebte angeblich neun Abschüsse. Die Doku bietet außerdem Ausschnitte von NOSFERATU, DER LETZTE MANN und  TABU. Gezeigt werden auch Fotos von Filmsets, kommentiert mit Zitaten von Murnaus Weggefährten.

2) FRITZ LANG - DIE STIMME VON METROPOLIS

 

Essay von Fred Gehler und Ullrich Kasten, Deutschland 1990, DFF, 45 Min.

In dieser Doku gehen die Autoren von der Prämisse aus, daß in den frühen deutschen Filmen von Fritz Lang „die Ströme des 20. Jahrhunderts fließen“. Anhand von Ausschnitten aus Langs DER MÜDE TOD (1921), DR. MABUSE (1922), DIE NIBELUNGEN (1924), METROPOLIS (1927), M (1931) und DAS TESTAMENT DES DR MABUSE (1933) versuchen sie zu belegen, daß seine Filme eine Parabel mit dem Leitmotiv ‚der Mensch und sein Schicksal’ sind. Bei seiner Rückkehr aus den USA 1924 brachte Fritz Lang, beeindruckt von der Metropole New York, seine Idee für die Story um die Zukunftsstadt METROPOLIS mit. Die Dreharbeiten fanden statt vom 22.5.1925 bis 30.10.1926. Die Doku bietet einige Aufnahmen vom Set und Zitate Fritz Langs über seinen Film. Am Ende des Films geht die Stadt in einer Sintflut unter. Diese Bilder werden gegengeschnitten mit der Feuersbrunst, die in DIE NIBELUNGEN das Reich der Burgunder zerstört. In beiden Fällen herrscht Zerstörung. Hatte das Böse in den NIBELUNGEN, einer archaischen Welt der Mythen und Sagen, noch seinen angestammten Platz (in der Gestalt des Drachen), so präsentiere die Zukunftsstadt METROPOLIS alte Mythen in neuer Gestalt (Oberstadt, Unterstadt). Jahre später wirft Lang in „M“ den Fokus auf eine sich steigernde Gewalt, die sich ausdrückt in einer „pervertierten Ordnung“: die Unterwelt spricht Recht, der Ruf nach dem „starken Mann“ werde laut. DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE wird als Allegorie gedeutet, denn hier seien Langs „Ahnungen schon zum Albtraum geworden“. In der Hinterlassenschaft Mabuses liegt der Sinn des Verbrechens darin, die Herrschaft des Verbrechens anzustreben; wenn die Menschen erst von Terror und Unsicherheit beherrscht sind, ist die Stunde der Herrschaft des Verbrechens nahe. Am Ende finden die Autoren der Doku auch versöhnende Momente in den Filmen Fritz Langs, die den Glauben an die „Macht der Menschen“ und die „Macht der Liebe“ widerspiegelten. Beispielsweise stiften Maria und Freder am Ende von METROPOLIS eine neue Gemeinschaft zwischen Arbeiter und Obrigkeit.

3) VICTOR SJÖSTRÖM

Portrait von Gösta Werner, Svensk Filmindustri + NDR

Viktor Sjöström ist neben Mauritz Stiller DIE schwedische (Stumm)Film-Legende. Er war der erste, der die Natur realistisch greifbar in das Filmgeschehen miteinbezogen hat. Er ging raus aus dem Atelier und entdeckte, daß die Natur eine innere Spannung beim Menschen erzeugen kann. So wurde TERJE VIGEN (S 1916) ausschließlich auf einer weit im Meer liegenden Stockholmer Schäreninsel gedreht, wo heftige Brandung herrscht und der Sturm nur so tost. Sein Filmdebüt gab Sjöström (den die Amrikaner auch ‚Seastrom’ nennen) 1912. Weltweiten Erfolg feierte er mit BERG EYVIND UND SEINE FRAU (S 1918). In dieser Doku erzählt eine andere schwedische Filmlegende, Ingmar Bergman, (auf deutsch) über seine Erinnerungen und Erlebnisse mit Sjöström. In den 40ern war Sjöström Leiter der Svensk Filmindustri und nahm den damals jungen Bergman unter seine Fittiche. Sjöström, der schon in den eigenen Stummfilmen oft als Hauptdarsteller auftrat, spielte schließlich auch in den Filmen Bergmans. Gezeigt werden Ausschnitte aus diesen Filmen und Setfotos. Ansonsten bringt dieses Portrait jede Menge Ausschnitte aus Sjöströms schwedischen Stummfilmen (s. Liste unten). Häufig waren die Romane von Selma Lagerlöf die Vorlage für Viktor Sjöströms Filme. Nicht selten waren starke Frauengestakten ein Kennzeichen seiner Filme, wie z. B. WER RICHTET? (S 1922), und oft war der Tod als Motiv in seinen Filmen gegenwärtig, wie in DER FUHRMANN DES TODES (S 1920).  Sjöströms Zeit im Hollywood der 20er wird nur kurz gestreift. Hier drehte er in sieben Jahren neun Filme.

Der Gärtner (Trädgardsmästaren, S 1912; D: Sjöström, Gösta Ekman, Lili Bech, Mauritz Stiller)

Terje Vigen (ET: A Man There Was, S 1916; D: Sjöström, Edith Erastoff)

Berg-Eyvind und seine Frau (Berg-Eyvind och hans hustru, S 1918; D: Sjöström, Edith Erastof, John Ekman)

Der Fuhrmann des Todes (Körkalen, S 1921; D: Sjöström, Hilda Borgström, Astrid Holm)

Ingeborg Holm (ET: Margaret Day, S 1913; D: Hilda Borgström, Aron Lindgren, Richard Lund)

Die Söhne von Ingmar (Ingmarssönerna, S 1919; D: Sjöström, Harriet Bosse, Hildur Carlberg)

Karin vom Ingmarshof (Karin Ingmarsdotter, S 1920; D: Sjöström, Tora Teje, Nils Ahren, Olof As)

Wer richtet? (Vem dömer?, S 1922; D: Jenny Hasselqvist, Gösta Ekman, Nils Asther)

Väter und Söhne (Markurells i Wadköping, S 1931; D: Sjöström, Pauline Brunius, Brita Appelgren)

Walpurgisnacht (Valborgsmässoafton, S 1935, R: Gustaf Edgren; D: Ingrid Bergman, Sjöström, Lars Hanson)

John Ericsson, S 1937, R: Gustaf Edgren; D: Sjöström, Anders Henrikson, Märta Ekström)

Der Alte kommt (Gubben kommer, S 1939, R: Per Lindberg; D: Sjöström, Tora Teje, Olof Molander)

Ordert (ET: The Word, S 1943, R: Gustaf Molander; D: Sjöström, Wanda Rothgardt, Holger Löwenadler)

An die Freude (Till glädje, S 1950, R: Ingmar Bergman; D: Sjöström, Maj-Britt Nilsson, John Ekman)

Wilde Erdbeeren (Smultronstället, S 1957, R: Ingmar Bergman; D: Sjöström, Bibi Andersson, Ingrid Thulin)

 

4) LUBITSCH AUS BERLIN

 

 

Doku von Enno Patalas, Deutschland 1992, WDR, 45 Min.

 

Dieses Portrait zeichnet Ernst Lubitschs Weg nach vom Theater über seine Karriere als Schauspieler bis hin zu einem der bedeutendsten deutschen Regisseure der Stummfilmzeit. Wenige Wochen vor seinem Tod schrieb Lubitsch einen Brief an den Autor Hermann Weinberg, in welchem er seinen Werdegang als junger Berliner Regisseur darlegt. Diese Doku zitiert aus besagtem Brief und somit werden Lubitschs Kommentare zu seinen Filmen zum roten Faden dieses Portraits, das zudem jede Menge Ausschnitte aus frühen Lubitsch-Filmen aufbietet (s. Liste unten). Als Schauspieler trat Lubitsch in DER STOLZ DER FIRMA auf, ein Film, der am 30. Juli 1914 Premiere hatte; tags darauf rief der Kaiser die deutsche Mobilmachung auf. Bei Kriegsausbruch wurde der Film verboten, da nicht kriegsverwendungsfähig. Der deutsche Film gehörte zu den ersten ‚Kriegsgewinnern’; da ausländische Filme nicht gespielt wurden, florierte die deutsche Filmwirtschaft. Im Dezember 1917 wurde auf Betreiben der Reichsregierung und der obersten Heeresleitung die Universum Film AG (UFA) gegründet. Lubitsch wurde Regisseur und schrieb sich die Rollen selbst auf den Leib. Er drehte Komödien, bildete dabei nicht gerade die rauhe Wirklichkeit ab. Zwischen 1919 und 1924 war Ernst Lubitschs kreativste Schaffensphase, er drehte elf Filme unterschiedlichster Genre und Stile, mal im Atelier (DIE PUPPE), mal in freier Natur (DIE BERGKATZE). Sein Historienfilm MADAME DUBARRY war der erste deutsche Film, der im Ausland Erfolg hatte, nachdem ehemalige ‚Feindländer’ den deutschen Film längere Zeit boykottiert hatten. Lubitsch ist berühmt für die perfekt choreographierten Massenszenen in vielen seiner (Historien)Filme. In SUMURUN ist Lubitsch zum letzten Mal als Schauspieler zu sehen. Der Film beruht auf einem Stück, in dem Lubitsch schon 1910 auf Max Reinhardts Bühnen aufgetreten war. Der besondere Stil und Humor der Lubitsch-Filme ging in die Filmgeschichte ein als der „Lubitsch Touch“. Er entspringt dem Geist der Berliner Inflationszeit und ist Ausdruck dieser Zeit. Dieser besondere ‚Witz’ war das Wesen des intellektuellen Berlin jener Tage. In Lubitschs deutschen Stummfilmen ist bereits das angelegt, was seine klassischen Hollywood-Komödien auszeichnet. Seinen ersten Film in den USA drehte er 1923 (ROSITA). Lubitschs Filme wurden 1933 in Deutschland verboten.

Der Stolz der Firma (D 1914, R: Carl Wilhelm; D: Ernst Lubitsch, Martha Kriwitz, Victor Arnold)

Meier aus Berlin (D 1918, R: Lubitsch; D: Lubitsch, Ethel Orff, Heins Landsmann)

Schuhpalast Pinkus (D 1916, R: Lubitsch; D: Lubitsch, Ossi Oswalda, Guido Herzfeld, Erich Schönfelder)

Wenn vier dasselbe tun (D 1917, R: Lubitsch; D: Emil Jannings, Ossi Oswalda, Margarete Kupfer)

Ich möchte kein Mann sein (D 1918, R: Lubitsch; D: Ferry Sikla, Ossi Oswalda, Margarete Kupfer)

Das fidele Gefängnis (D 1917, R: Lubitsch; D: Kitty Dewall, Harry Liedtke, Agda Nilsson, Emil Jannings)

Carmen (D 1918, R: Lubitsch; D: Pola Negri, Harry Liedtke, Wilhelm Diegelmann, Grete Diercks)

Die Austernprinzessin (D 1919, R: Lubitsch; D: Ossi Oswalda, Victor Janson, Harry Liedtke, Curt Bois)

Madame Dubarry (D 1919, R: Lubitsch; D: Pola Negri, Emil Jannings, Eduard von Winterstein, Harry Liedtke)

Die Puppe (D 1919, R: Lubitsch; D: Ossi Oswalda, Hermann Thimig, Victor Janson, Jacob Tiedtke)

Kohlhiesels Töchter (D 1920, R: Lubitsch; D: Henny Porten, Emil Jannings, Gustav v. Wangenheim)

Romeo und Julia im Schnee (D 1920, R: Lubitsch; D: Gustav v. Wangenheim, Lotte Neumann, Marga Köhler)

Sumurun (D 1920, R: Lubitsch; D: Lubitsch, Jenny Hasselqvist, Pola Negri, Paul Wegener, Jacob Tiedtke)

Anna Boleyn (D 1920, R: Lubitsch; D: Henny Porten, Emil Jannings, Hedwig Pauli, Ludwig Hartau)

Die Bergkatze (D 1921, R: Lubitsch; D: Pola Negri, Victor Janson, Wilh. Diegelmann, Hermann Thimig)

Das Weib des Pharao (D 1921, R: Lubitsch; D: Paul Wegener, Lyda Salmonova, Emil Jannings, Harry Liedtke)

Die Flamme (D 1922, R: Lubitsch; D: Pola Negri, Alfred Abel, Frida Richard, Herrmann Thimig, Hilde Wörner)

Der ewige Jude (D 1940, R: Fritz Hippler)

 

5) IN EIS UND SCHNEE - DER REGISSEUR ARNOLD FANCK

 

 

Doku von Hans-Jürgen Panitz, Deutschland 1997, BR3, 48 Min.

 

Arnold Fanck war der Pionier des Bergfilms, eines typisch deutschen Genres. Fanck war zugleich der „Entdecker“ von Luis Trenker und Leni Riefenstahl, deren Karrieren ihren Anfang nahmen in seinen Filmen. Diese Doku bringt Ausschnitte aus den berühmtesten Filmen von Arnold Fanck (vgl. Auflistung unten). Meist sind die Clips so gut gewählt, daß man einen guten Einblick in Fancks Ästhetik bekommt. Seine Bilder, die nicht im Atelier gedreht wurden, sondern in 4000m Höhe, sind gewaltig und erzeugen eine Art romantische Sehnsucht. Manch Kritiker wie Siegfried Kracauer bemäkelten, Fancks Stil leistete dem Faschismus Vorschub, und tatsächlich wurde Fanck von Goebbels umworben. Fanck jedoch, so die Doku, war unpolitisch. Arnold Fanck wurde in Frankenthal (Rheinland-Pfalz) am 6. März 1889 geboren. Die Familie war wohlhabend, sein Vater war Direktor einer Zuckerfabrik. Als er als Kind sehr krank wurde, schickte man ihn auf ärztliches Anraten in die Berge. Er blieb vier Jahre, lernte die Bergwelt lieben. Er unternahm schon früh Klettertouren in den Schweizer Alpen. Wie nebenbei baute er 1909 sein Abitur, studierte in Zürich Geologie. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er vom Miltitärdienst befreit. Fanck war ein Tüftler und erfand allerhand rund um die Kamera, damit die Aufnahmen seinen Ansprüchen genügten. Er bastelte an Objektiven, Brennweiten, Stativen, experimentierte mit Zeitlupen und stellte die Kamera auf Skiern. Damit beeinfluße er den Natur- und Abenteuerfilm nachhaltig auf Jahrzehnte. In der Doku kommt Leni Riefenstahl zu Wort, die von den schwierigen Dreharbeiten berichtet, bei denen Fanck seine Darsteller nicht geschont habe. Fancks Sohn erzählt auch einige Anekdoten und präsentiert Vaters alte Ernemann-Kamera aus dem Jahr 1914. IM KAMPF MIT DEM BERG (1921) ist ein dokumentarischer Spielfilm, der noch sehr von der Fotographie beeinflußt war, worin Fanck ein Könner war. DER BERG DES SCHICKSALS (1924) ist der erste richtige Spielfilm. Hier wird auch Fancks Stil deutlich: Er filmt seine Darsteller meist silhouettenartig. Dabei heben sich die Kletterer besser vom Berg ab. In DER HEILIGE BERG (1926) spielten Riefenstahl und Trenker erstmals gemeinsam. Höhepunkt der Stummfilmära ist DIE WEIßE HÖLLE VOM PIZ PALÜ (1929), von dem später auch eine nachsynchronisierte Version erstellt wurde. DER WEIßE RAUSCH (1931) ist eine frühe Tonfilm-Komödie mit Skiakrobaten. In Hollywood wurde S.O.S. EISBERG (1933) produziert, der ein Welterfolg wurde. DER KÖNIG VOM MONTBLANC (1934) hat die Erstbesteigung des Bergs im 18. Jahrhundert zum Thema. DIE TOCHTER DES SAMURAI (1937) realisierte Arnold Fanck auf Einladung des japanischen Kultusministeriums in Japan – die UFA wollte sich an diesem Projekt nicht beteiligen. Fanck wurde 1957 auf dem renommierten Bergfilmfestival von Trient die Goldmedaille für sein Lebenswerk überreicht, jedoch wurden seine Filme nicht von der deutschen Filmbewertungsstelle mit dem Prädikat „wertvoll“ bedacht, da sie zu handlungsarm seien. Dies verhinderte damals eine Wiederaufführung von Fancks Klassikern in den Kinos. Fanck starb am 28. September 1974. Sein Nachlaß befindet sich im Stadtmuseum/Filmmuseum München.

Das Wunder des Schneeschuhs (D 1920, D: Sepp Allgeier, Arnold Fanck, Ernst Baader)

Im Kampf mit dem Berg (D 1921, D: Ilse Rohde, Hannes Schneider)

Der Berg des Schicksals (D 1924, D: Frida Richard, Erna Morena, Hertha von Walther, Hannes Schneider, Luis Trenker)

Der heilige Berg (D 1926, D: Luis Trenker, Leni Riefenstahl, Frida Richard, Hannes Schneider)

Der große Sprung (D 1927, D: Leni Riefenstahl, Luis Trenker, Hans Schneeberger)

Die weiße Hölle vom Piz Palü (D 1929, D: Leni Riefenstahl, Gustav Diessl, Ernst Udet, Kurt Gerron, Mizzi Götzel)

Stürme über dem Montblanc (D 1930, D: Sepp Rist, Leni Riefenstahl, Ernst Udet, Mathias Wiemann)

Der weiße Rausch (D 1931, D: Leni Riefenstahl, Hannes Schneider, Rudi Matt)

S.O.S. Eisberg (USA 1933, Leni Riefenstahl, Sepp Rist, Rod LaRocque, Ernst Udet)

Der König vom Montblanc aka Der ewige Traum (D 1934, D: Sepp Rist, Helene Fehdmer, Klaus Pohl, Eduard von Winterstein, Ernst Dumcke)

Atarashiki tsuchi (Die Tochter des Samurai aka Tapfere kleine Mitsuko, J 1937, D: Setsuko Hara, Ruth Eweler, Sessue Hayakawa)

 

 

Filme

1) FRAU IM MOND, 1928, DER ERSTE "WISSENSCHAFTLICHE" SCIENCE-FICTION-FILM   

       

Kurzfilm von Gabriele Jacobi, Deutschland 1993, WDR, 15 Min.

Diese kurze Dokumentation stellt anschaulich die Beziehung dar zwischen Wissenschaft und Film bei den Dreharbeiten von Fritz Langs FRAU IM MOND (D 1928). Interviewt wird Hermann Oberth, der mit seinem Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen" die wissenschaftliche Grundlage gab und Lang als Berater zur Verfügung stand. Umgekeht sorgte der große Erfolg des Films für einen Schub in der Forschung bei der Raketentechnologie. Die Doku besteht zu großen Teilen aus Filmszenen aus FRAU IM MOND. Man bekommt Infos darüber, wie der Film die Probleme der Realisierung der Schwerkraft anging, und über die eigenwilligen Szenarios der Drehbuchautorin Thea von Harbou. Szenen, wie 40 Jahre später die Realität die Fiktion einholen sollte, ergänzen die Doku.


2) 1903 - DER ERSTE WESTERN - "DER GROßE EISENBAHNRAUB"  

Kurzfilm von Hanns-Christoph Koch, Deutschland 1993, WDR, 15 Min.

Die kurze Dokumentation aus der Reihe "Rückblende" befaßt sich mit der Entstehungsgeschichte des Westerngenres. Sein erster Vertreter war Edwin S. Porters THE GREAT TRAIN ROBBERY (USA 1903). Die Doku bietet jede Menge Clips aus dem Film, sowie Fotos vom Set und Infos über den Regisseur, der zu jener Zeit Leiter der Filmstudios von Thomas Edison gewesen ist, eines der größten Studios überhaupt, das Apparaturen herstellte und Filme entwickelte. Wir erfahren etwas über Porters Beweggründe, diesen Western zu drehen, und daß hier zum ersten Mal überhaupt die Technik des 'Film im Film' verwendet worden ist. Eine Woche dauerten die Dreharbeiten südlich von New York. 40 Schauspieler waren beteiligt.

3) GEFÄHRLICHE NEIGUNGEN. DIE SKANDALGESCHICHTE VON "ANDERS ALS DIE ANDERN"

Mini-Doku von Gerald Koll, Deutschland 2000, Kirch Media, arte, 7 Min.

Diese Mini-Doku behandelt Richard Oswalds ANDERS ALS DIE ANDERN ( DVD ), Deutschlands ersten Film über Homosexuelle (mit Conrad Veidt und Reinhold Schünzel), der im Mai 1919 Premiere hatte und zum Skandal geriet, und zum Kassenschlager wurde. Die Doku zeigt Standfotos von verschollenen Szenen des Films und zitiert aus zeitgenössischen Kritiken gegen den Film. 1920, nach Wiedereinführung der Zensur in Deutschland, wurde er verboten und nur noch vor Ärzten gezeigt. 1927 schneidete der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, der als wissenschaftlicher Berater des Films fungierte, eine Kurzfassung des Films zusammen unter dem Titel SCHULDLOS GEÄCHTET, die als Schlußepisode seines Films GESETZE DER LIEBE diente.

 

4) "POTEMKIN" IN BERLIN - EIN KAPITEL EISENSTEIN

Doku von Ullrich Gehler u. Fred Kasten, Deutschland 1995, ORB, 15 Min.

Diese Mini-Doku aus der Reihe "Abenteuer Film" erzählt die Geschichte der deutschen Premiere von Sergej M. Eisensteins PANZERKREUZER POTEMKIN. Eisenstein traf im März 1926 in Berlin ein. Er erhoffte sich eine filmische Zusammenarbeit mit Deutschland. Dies zitieren die Autoren aus den Tagebüchern Eisensteins. Der russische Regisseur besuchte die deutschen Filmstudios. Murnau drehte gerade seinen FAUST und Lang arbeitete an METROPOLIS. Die 1925 gegründete "Prometheus" (mitbegründet von der IAH, der Internationalen Arbeiter-Hilfe) sollte PANZERKREUZER POTEMKIN in Deutschland verleihen. Es gab Probleme mit der deutschen Zensur. Die Aufführung dieses "Agitations- und Zersetzungsstreifens" sollte verhindert werden. Ende März 1926 wurde der Film verboten. Prominente Intellektuelle wie Alfred Kern, Erwin Piscator und Paul Levi setzten sich für PANZERKREUZER POTEMKIN ein. Schließlich wurde er mit Schnittauflagen zugelassen und nur für die Jugend verboten wegen "verrohend wirkender Bildfolgen". Gekürzt wurde z. B. das Blutbad auf der Treppe. Die Premiere von Eisensteins Film fand am 29. April 1926 in Berlin statt. Die Doku zitiert zeitgenössische Kritiker, die den Film lobten. Die Heeresleitung untersagte den Soldaten der Reichswehr den Besuch der Kinovorstellung; sie sahen in dem Film eine Gefahr, da er den Aufstand predige. Der Film mit großem Erfolg vor ausverkauften Häusern.

5) ON SCREEN: NOSFERATU

Doku von Karim Zendagui, Deutschland 2005, die produktion/RBB, 30 Min.

Die Doku startet mit einer Nacherzählung von NOSFERATU mittels vieler Filmstills. Was dann folgt, ist ein Fest für Filmfreunde, die auf detailreiche, wissenschaftliche Filmanalysen stehen. Abschnitt 1, „Liebespaarungen“, beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Hauptakteure untereinander, genauer wie Murnaus Regie es durch Blickführung und Blickachsen schafft, die Beziehungen zwischen Ellen, Hutter und Graf Orlok herauszustellen. Z. B. verdeutlichten die Gesten und Blicke Ellens und Hutters eher eine Trennungs- als eine Liebesgeschichte; die Blickachse (von oben nach unten) symbolisiere das Machtgefälle zwischen Graf Orlok und Hutter usw. Entsprechende Filmstills unterstreichen die Analyse, ebenso wie Szenen aus anderen Filmen Murnaus (Gesamtauflistung s. u.), was für den spezifischen Stil des Regisseurs spricht. Der 2. Abschnitt, „Durchblicke“, beschäftigt sich mit Murnaus Verfahren der Staffelung des Bildraums in NOSFERATU. Anhand des Vergleichs von Motiven aus der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts mit Szenen aus dem Film wird aufgezeigt, woher Murnau seine Inspirationen holte, um dem Filmraum eine perspektivische Tiefe zu verleihen. Auch Einflüsse der Deutschen Romantik finden sich in NOSFERATU wieder. Aber auch architektonisch werde in NOSFERATU die Bildoberfläche gegliedert, sei es durch Fenster, Tore, Gassen usw. All dies diene dafür, den Blick des Zuschauers zu leiten. Abschnitt 3, „Seelenlandschaften“, gibt Beispiele aus NOSFERATU und anderen Murnau-Filmen, wie durch den kunstvollen Einsatz von Hell/Dunkel bei den Aufnahmen in freier Natur, diese zu einer Art Seelenlandschaft werde. Auch hier dienten Murnau wieder Vorbilder aus der Malerei, z. B. die Riesengebirgsbilder von Caspar David Friedrich. Der 4. Abschnitt, „Grenzüberschreitungen“, beginnt mit der Besprechung von Graf Orloks Bewegungen, die mal sehr langsam, mal ruckartig sind, und dem Film den Rhythmus vorgeben. Bei Hutter und Ellen geht es in vielen Szenen um das gebannte „Verharren an räumlichen Schwellen“, dem die schließlich „Grenzüberschreitung“ folge (Ellen am Fenster, Hutter vor Orloks Burg, Ellen am Strand, Hutter vor Orloks Gruft). Auch hier gibt die Doku wieder verblüffende Vorbilder aus der Malerei (Ellen am Strand mit den Grabkreuzen / Caspar David Friedrichs Gemälde ‚Landschaft mit Gräbern’, 1835/37). Anschließend wird die Bedeutung des Windes erörtert, der die Fenstervorhänge nach innen bauscht und eine fremde Kraft ankündige. Solche Beispiele finden sich auch in anderen Filmen Murnaus (FAUST, SCHLOß VOGELÖD). Abschnitt 5, „Ahnherr der Vampirfilme“, gibt einen kurzen Überblick über die NOSFERATU folgenden Blutsaugerfilme.
 

Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (D 1922, R: F. W. Murnau; D: Max Schreck, Greta Schröder, Alexander Granach, Gustav von Wangenheim)

Der brennende Acker (D 1922, R. F. W. Murnau; D: Werner Krauss, Lya de Putti, Eugen Klöpfer, Vladimir Gajdarow)

Faust (D 1926, R: F. W. Murnau; D: Gösta Ekman, Camilla Horn, Emil Jannings, Frida Richard)

Tartüff aka Herr Tartüff (D 1926, R: F. W. Murnau; D: Hermann Picha, Werner Krauss, Lil Dagover, Emil Jannings, Lucie Höflich)

Der Gang in die Nacht (D 1921, R: F. W. Murnau; D: Olaf Fönss, Erna Morena, Conrad Veidt)

Tabu (USA 1931, R: F. W. Murnau; D: Anne Chevalier, Matahi, Hitu, Jules)

Der letzte Mann (D 1924, R: F. W. Murnau; D: Emil Jannings, Maly Delschaft, Hans Unterkirchner, Georg John)

Schloß Vogelöd (D 1921, R: F. W. Murnau; D: Olga Tschechowa, Arnold Korff, Paul Bildt, Julius Falkenstein)

Die Finanzen des Großherzogs (D 1924, R: F. W. Murnau; D: Alfred Abel, Mady Christians, Ilka Grüning, Julius Falkenstein)

Dracula (USA 1931, R: Tod Browning; D: Bela Lugosi, Helen Chandler, Dwight Frye, Herbert Bunston, Frances Dade)

Vampyr – Der Traum des Allan Grey (D 1932, R: Carl Theodor Dreyer; D: Julian West, Sybille Schmitz, Maurice Schutz, Jan Hieronimko)

Nosferatu, Phantom der Nacht (D/F 1979, R: Werner Herzog; D: Klaus Kinski, Isabelle Adjani, Bruno Ganz)

Shadow of the Vampire (USA/GB/LUX 2000, R: E. Elias Merhige; D: John Malkovich, Willem Dafoe, Catherine McCormack, Udo Kier)

6) DIE ENKEL VON NANUK, DEM ESKIMO

Doku von Claude Massot, Frankreich 1988, arte, 60 Min.

Robert Flaherty lernte die Inuit, so der Name für die in Nordamerika lebenden Indianer, bereits 1915 kennen. Eine Insel in der Hudson Bay wurde nach ihm benannt. Als er NANUK OF THE NORTH (Nanuk der Eskimo) drehte, hatte man noch keine Bezeichnung für das, was heute als Dokumentar-Film gilt. Das Projekt erschien unsinnig. Flaherty kam im Sommer 1920 in Inukiak an, das damals Port Harrison hieß. Er blieb ein Jahr. 68 Jahre danach besucht ein französisches Filmteam, mit dem NANUK-Film und vielen Fotos im Gepäck, die heute lebenden Nachfahren Nanuks und Bewohner des Ortes. Ihnen führen sie Flahertys Film vor und fangen die Reaktionen darauf ein. Diese sind durchweg positiv. Man staunt und amüsiert sich über den alten Film und manche alte Leute glauben sich auf alten Fotos wiederzuerkennen.  Die Autoren zitieren aus Flahertys Tagebuch über die Aufführung von NANUK im Jahr 1920 im Eskimodorf. Die Eskimos hätten zuerst nicht verstehen können wie der „echte“ Nanuk und der auf dem an der Wand befestigten Laken zugleich im Raum sein konnten. Anhand einiger Szenen aus NANUK wird nun versucht nachvollziehen, an welchen Stellen der Gegend sie gedreht worden sind. Flahertys Kinohelden finden sich im wirklichen Leben, nicht im Filmstudio Hollywoods. Der Kampf des Menschen gegen seine Umwelt wird als zentrales Thema mit den Mittel des Films umgesetzt. Flaherty filmte nach Drehbuch, das einen dramatischen Aufbau hatte, er führte seine Darsteller, aber er rekonstruierte Szenen auch und stellte sie: Ein Einheimischer, der sich mit dem französischen Filmteam NANUK ansieht, berichtet, daß die Inuit zur damaligen Zeit niemals Hosen aus Eisbärfell trugen, und auch das Fangen einer Robbe wurde im NANUK-Film mit Tricks, die den Inuit bekannt sind, gefaked. Die Doku stellt diese Tricks und weitere nach. Auch der Name „Nanuk“, der in Wahrheit Allakarialuk hieß, war wohl eine Konzession an den Geschmack Flahertys. Beim Dreh, so berichtet ein Zeitzeuge, durften nur Sitten der Inuit gezeigt und nur Werkzeug der Inuit verwendet werden. Dies entspricht auch Flahertys Prinzipien. Er wollte die „ursprüngliche Erhabenheit und Originalität der Inuit“ zeigen, ohne jeglichen Einfluß, den die westliche Welt um 1920 bereits auf ihre Kultur hatte. NANUK OF THE NORTH, so die Autoren der Doku, ist das einzige historische Filmmaterial aus dieser Region. Der Film lief seinerzeit in den Kinos sehr erfolgreich.

 

7) VOR 60 JAHREN METROPOLIS URAUFGEFÜHRT

Doku von Klaus Ingo Plümecke, Deutschland 1987, WDR, 13 Min.

Diese kleine Doku aus der Reihe "Rückblende" gibt einen kurzen Überblick über Wissenswertes in Sachen "Metropolis" ohne allerdings näher auf Details einzugehen. Zunächst wird eine Inhaltsangabe des Films gemacht, dann kommt kurz der Experte Werner Sudendorf zu Wort, der ein paar Zahlen ins Feld wirft: 36.000 Komparsen, 18 Monate Drehzeit statt der geplanten neun. 5 bis 7 Mio. Reichsmark Kosten statt der angesetzten 1 Mio. "Metropolis" wurde am 10. Januar 1927 in Berlin uraufgeführt. Schon damals fiel die Kritik durchwachsen aus. Ein Meisterwerk? Klar! Aber nur in puncto Technik, die beeindruckte, und zwar bis nach Hollywood. Die Thematik? Eine schwache Leistung. Die Doku bietet Eckdaten aus Fritz Langs Biographie, der 1918 mit einem Vertrag in der Tasche nach Berlin kam und 1919 Filmregisseur wurde. 1922 heiratete er die ehemalige Schauspielerin und bekannte Autorin Thea von Harbou, mit der er zwölf gemeinsame Filme drehte, wobei sie das Drehbuch schrieb. 1933 Scheidung, auch aufgrund von politischen Divergenzen; Harbou stand der NS-Ideologie nahe.

 

Länder

1) DÄMONISCHE LEINWAND - DER DEUTSCHE FILM NACH DEM ERSTEN WELTKRIEG

Filmessay von Peter Buchka, Deutschland 1998, BR, 60 Min.

Ähnlich wie Siegfried Kracauer in seinem Buch ‚Von Caligari zu Hitler’ kommt Peter Buchka zu dem Schluß, daß in deutschen Filmen der 20er Jahre gewisse Vorboten der heraufziehenden Nazi-Diktatur offenkundig sind. Die Doku ist in vier Kapitel gegliedert: „Das Böse, wie es in die Welt kam“, „Traumgestalten aus der Wirklichkeit“, „Das große Spiel mit dem Schicksal“ und „Mit Macht in den Tod“. Jeder Abschnitt präsentiert ausgewählte Clips aus Filmen von Lang, Murnau, Wegener, Wiene, Lubitsch und Dupont. Es sind Ausschnitte, die Menschen zeigen, die sich von aller Verantwortung fernhalten (SCHLOß VOGELÖD), monströse Gestalten, die Menschen manipulieren (NOSFERATU; DR. MABUSE), bzw. gleich ganze Massen manipulieren (METROPOLIS). Der Charakter des TARTÜFF steht für Heuchelei und (Selbst-)Betrug. SPIONE präsentiert das Böse und seine Gier nach Allmächtigkeit mit modernsten Kommunikationsmitteln, während ein Film wie DER LETZTE MANN den Abstieg eines Einzelnen in die Bedeutungslosigkeit zeigt. Buchka bezeichnet den Expressionismus dieser Zeit als die Typologie des Deutschen, als „Schwanken zwischen den Extremen“ als Folge der Armut der Inflationszeit. Wie Lotte H. Eisner es schon formulierte, ist das charakteristischste am deutschen Film nach dem Ersten Weltkrieg der „Einbruch des Unbewußten in die erzählerische Form“, daher der ästhetische Begriff „Dämonische Leinwand“.

2) DER KUß DES EISBÄREN - DER SKANDINAVISCHE STUMMFILM IN DEUTSCHLAND 1909 - 1929

   

Dokumentation von Jochen Wolf, Deutschland 1983, NDR, 77 Min.

Die Doku erzählt die Geschichte der dänischen Filmfirma 'Nordisk'. Sie wurde 1906 von Ole Olsen gegründet und erreichte in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg ihre Blütezeit. Sie war hinter der französischen ‚Pathé’ Europas größte Filmproduktionsstätte. 98% der Filme wurden exportiert. Vorgestellt werden Filme von Asta Nielsen, die bei ‚Nordisk’ begann und nach drei Filmen ihre größten Erfolge in Deutschland feierte. Sie prägte den „theatralisch-erotischen Stil des Melodramas“. Ib Monty vom Dänischen Filmmuseum wird interviewt zum Stil dieses typisch dänischen Genres, dessen besondere Stärke der darstellerischen Ausdruckskraft seiner Darsteller zu verdanken ist. Viele Filmausschnitte (s. Auflistung am Ende) bekannter Regisseure der ‚Nordisk’ werden gezeigt und erläutert, z. B. von Benjamin Christensen und Viggo Larsen. Erläutert wird auch die Bedeutung des Kinos für das Proletariat. Hierbei wird tlw. aus zeitgenössischen Kommentaren zum Kino zitiert (Urban Gad, Alfred Döblin). Das neutrale Schweden entwickelte während des 1. Weltkriegs eine eigenständige Filmindustrie, die den realistischen dänischen Stil aufnahm und weiterführte. Der Natur wurde eine dramatische Rolle zugesprochen. Verdeutlicht wird dies an Ausschnitten des schwedischen Regisseurs Viktor Sjöström, der in BERG-EYVIND UND SEINE FRAU (S 1917) die Naturgewalten als Spiegel menschlicher Schicksale einsetzte. In Deutschland waren skandinavische Filme populär, die auf Romanen der Autorin Selma Lagerlöf basierten. Stilbildend für spätere Regisseure wie Lubitsch, Billy Wilder und Max Ophüls war der schwedische Regisseur Mauritz Stiller (der Entdecker Greta Garbos). Die Doku zeigt Clips aus seinem frivolen EROTIKON (S 1920). Abschließend wird ein kurzer Abriß über den dänischen Regisseur Carl Theodor Dreyer gegeben.

Abgründe (Afgrunden, DK 1910, R: Urban Gad)
Der fremde Vogel (D 1911, R: Urban Gad)
Vor der Gefängnistür (DK 1911)
Die vier Teufel (DK 1911)
Der tanzende Tor (DK 1916)
Die Löwenjagd (DK 1906)
Die Schwiegermutter des Anarchisten (?)
Dr. Gar-el-Hama (Serial, DK 1911, R: Eduard Schnedler-Sorensen)
Die weiße Sklavin (D 1911, R: Viggo Larsen)
Das geheimnisvolle X (Det Hemmelighedsfulde X, DK 1914)
Atlantis (DK 1913, R: August Blom)
[Die Rache des] Homunculus (D 1916, R: Otto Rippert)
Berg-Eyvind und seine Frau (Berg-Ejvind och hans hustru, S 1918, R: Viktor Sjöström)
Terje Vigen (S 1917, R: Viktor Sjöström)
Der Fuhrmann des Todes (Körkarlen, S 1921, R: Viktor Sjöström)
Erotikon (S 1920, R: Mauritz Stiller)
Die freudlose Gasse (D 1925, R: G. W. Pabst)
Hamlet (D 1921, R: Sven Gade, Heinz Schall)
Hexen (Häxan, S 1921, R: Benjamin Christensen)
Faust (D 1926, R: F. W. Murnau)
Die Passion der Jeanne d’Arc (La Passion de Jeanne d'Arc, F 1928, R: C. Th. Dreyer)

3) KINO EUROPA - DIE KUNST DER BEWEGTEN BILDER

 

6 tlg. Doku-Reihe von Kevin Brownlow u. David Gill, England 1995, à 58 Min.

 

 

Teil 4: Musik des Lichts (Frankreich)

 

Diese Folge der Reihe dreht sich um den französischen Stummfilm, der nach dem Ersten Weltkrieg praktisch nicht mehr existierte, da die Studios veraltet waren und amerikanische Filme den französischen Markt beherrschten. Wie schon zu Lumières Zeiten ging man nun "auf die Straße" und filmte Stoffe mit dokumentarischer Qualität nach dem Ansatz des von André Antoine geprägten "Cinema libre" (freies Kino). Die Doku zeigt anhand von Filmausschnitten und Interviews mit ehemaligen Filmschaffenden (Germaine Rouer, Blanche Mantel, Marie Glory u. a.), wie sich das französische Kino langsam wieder erholte und schließlich, neben dem deutschen Kino, in Europa Spitzenreiterfunktion übernahm. Ein Mittel gegen die Übermacht des amerikanischen Films waren die in Frankreich beliebten Fortsetzungsfilme. Sie sicherten den Kinobetreibern über mehrere Wochen ihr Einkommen. Ausführlich erzählt die Doku die Entstehung von Abel Gances LA ROUE (1922). Die Dreharbeiten dauerten drei Jahre. Es war ein Film, der fast nur an Originalschauplätzen gedreht wurde und schnelle Schnittfolgen aufweist – ein Beleg dafür, daß das russische Revolutionskino diese Montagekunst keinesfalls erfunden hat. Gances J’ACCUSE (1919) wurde mit großem Erfolg in den USA herausgebracht, dank D. W. Griffith und seines Verleihs "United Artists". Recht ausführlich widmet sich die Doku dem belgischen Regisseur und seinen Filmen CRAINQUEBILLE (1923) und VISAGES D’ENFANTS (1923-25), die er mit französischer Beteiligung gedreht hat. Von Jahr zu Jahr stieg die Produktion französischer Filme. Ein Blockbuster wurde LE MIRACLE DES LOUPS (1924), ein opulenter Historienschinken, dem die Ehre zuteil wurde, in der Pariser Oper uraufgeführt zu werden. In den Kampfsequenzen wurden hier Handkameras eingesetzt, was im Schlachtengetümmel sehr realistisch rüberkommt. Die Doku bietet Aufnahmen von den Dreharbeiten von Abel Gances NAPOLEON (1927). Der 103jährige Simon Feldman wird hierzu interviewt; er hatte seinerzeit für Gance einige kameratechnische Tricks realisiert, die hier beleuchtet werden. NAPOLEON ist berühmt für seine Sequenzen mit Breitwandeffekt, die mittels übereinanderliegenden Kameras realisiert wurden. Das war kompliziert. Die Doku stellt die Erfindung von Henry Chrétien vor, der Breitwandeffekte mit nur einem Objektiv ermöglichte. Mit diesem Verfahren wurde der (verschollene) Film CONSTRUIRE UN FEU (1929) gedreht. Sein Regisseur Claude Autant-Lara berichtet, daß die Kinobetreiber "von ganz oben" gedrängt worden wären, diesen Film nicht zu zeigen. Die Industrie war damals noch nicht dazu bereit, und so wurde das spektakuläre Breitwandverfahren erst in den 50ern wiederentdeckt, als das Kino das Fernsehen als Konkurrenten fürchtete. Kurz erläutert die Doku das Schablonenverfahren zur Kolorierung von Filmen, das tlw. erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte (CASANOVA, 1927). Frankreich war das Land, wohin sich viele russische Emigranten wie Ivan Mosjoukine und Alexander Wolkow flüchteten und ihre Filmkarriere fortsetzen. Szenenfotos werden gezeigt. Einigen Raum widmet die Doku Frankreichs avantgardistischen Regisseuren wie Germaine Dulac, Marcel l’Herbier, sowie Jean Renoir und René Clair – letztere sollten ja erst im Tonfilm ihre größten Erfolge feiern. Zum Schluß stellt die Doku die beiden künstlerisch völlig verschiedenen Jeanne d’Arc-Verfilmungen gegenüber – Carl Theodor Dreyers Version (1928), die in die Filmgeschichte einging aufgrund ihrer Vielzahl von Großaufnahmen von Gesichtern, und die weniger bekannte (aber spektakulärere) von Marco de Gastyne (1929). Clips aus folgenden Filmen werden gezeigt:

Napoleon (F 1927, R: Abel Gance; D: Albert Dieudonné, Gina Manès, Vladimir Roudenko)

La Terre (F 1918/19, R: André Antoine; D: Germaine Rouer, René Alexandre, Armand Bouer)

La Belle Nivernaise (Die schöne Nivernaise, F 1923, R: Jean Epstein; D: Blanche Montel, Maurice Touzé, Pierre Hot)

Travail (Arbeit, F 1919, R: Henri Pouctal; D: Léon Mathot, Huguette Duflos, Camille Bert)

La Roue (Das Rad, F 1922, R: Abel Gance; D: Ivy Close, Séverin-Mars, Pierre Magnier)

Les Misérables (Die Elenden, F 1925, R: Henri Fescourt; D: Sandra Milovanoff, Paul Jorge, Jean Toulout, Gabriel Gabrio)

Les Trois Mousquetaires (Die drei Musketiere, F 1921, R: Henri Diamant-Berger; D: Aimé Simon-Girard, Charles Martinelli, Pierette Madd, Pierre de Guingand)

Crainquebille (F 1923, R: Jacques Feyder, D: Jean Forest, Maurice de Féraudy, Marguerite Carré)

Visages d’Enfants (Das Bildnis aka Kindergesichter, F 1923-25, R: Jacques Feyder; D: Jean Forest, Pierette Houyez, Henri Duval, Rachel Devirys, Arlette Peyran)

Violettes impériales (Die Veilchen der Kaiserin, F 1924, R: Henri Roussel; D: Suzy Béryl, Suzanne Bianchetti, Albert Brouett)

Le miracle des loups (Das Wunder der Wölfe, F 1924, R: Raymond Bernard; D: Charles Dullin, Yvonne Sergyl, Ernest Maupin)

Le joueur d’échecks (Der Schachspieler, F 1927, R: Raymond Bernard; D: Pierre Blanchar, Edith Jehanne, Camille Bert, Charles Dullin)

Kean (F 1924, R: Alexander Wolkoff; D: Ivan Mosjoukine, Nathalie Lissenko, Mary Odette)

Casanova (F 1927, R: Alexander Wolkoff; D: Ivan Mosjoukine, Jenny Jugo, Suzanne Bianchetti, Diana Karenne, Michel Simon, Nathalie Lissenko)

Nana (F 1926, R: Jean Renoir; D: Catherine Hessling, Werner Krauss, Valeska Gert, Jean Angelo, Marie Prevost)

Un chapeau de paille d’Italie (Der Florentiner Hut, F 1927, R: René Clair; D: Marise Maia, Paul Ollivier, Jim Gérald)

Paris qui dort (Paris schläft, F 1923, R: René Clair; D: Albert Préjean, Madeleine, Rodrigue, Martinelli, Myla Seller)

La coquille et le clergyman (Die Muschel und der Kleriker, F 1927, R: Germaine Dulac; D: Lucien Bataille, Alex Allin, Genica Athanasiou)

Le retour à la raison (Die Rückkehr zur Vernunft, F 1923, R: Man Ray; Kurzfilm)

L’Inhumaine (Die Unmenschliche, F 1924, R: Marcel L’Herbier; D: Georgette Leblanc; D: Jacque Catelain, Philippe Hériat)

El Dorado (F 1921, R: Marcel L’Herbier; D: Jacque Catelain, Eve Francis, Marcelle Pradot, Philippe Hériat, Claire Prelia)

La Passion de Jeanne d’Arc (Die Passion der Jeanne d’Arc, F 1928, R: Carl Theodor Dreyer; D: Maria Falconetti, Maurice Schutz, Michel Simon, Eugene Silvain)

La Merveilleuse vie de Jeanne d’Arc (F 1929, R: Marco de Gastyne; D: Simone Genevois, Jean Debucourt, Choura Milena, Jean-Louis Allibert)

L’Argent (Geld! Geld! Geld!, F 1929, R: Marcel L’Herbier; D: Brigitte Helm, Marie Glory, Pierre Alcover, Alfred Abel, Pierre Juvenet)

Auteur de l’Argent (F 1928, R: Jean Dréville; Making of zu "L’Argent")

Au Bonheur des Dames (Zum Paradies der Damen, F 1929, R: Julien Duvivier; D: Dita Parlo, Pierre de Guingand, Ginette Maddie, Fabien Haziza)


Collagen

1) LYRISCHES NITRAT     

Collage von Peter Delpeut, Holland 1990, Yuca Film, 50 Min.

LYRISCHES NITRAT ist ein kaleidoskopartiger Reigen von Filmausschnitten. Die Filme entstanden zwischen 1905 und 1915 in Europa. Bis zu seinem Tod 1956 lagerten die Filmrollen auf dem Dachboden des Amsterdamer Sammlers Jean Desmet. Das Niederländische Filmmuseum konservierte die Filme in ihren authentischen Farben. Die lose Aneinanderreihung von über 30 Filmen zu klassischer Musik ergibt ein kleines faszinierendes Kunstwerk. Zu sehen sind Landschaftsaufnahmen, Bahnstrecken, Städteportraits, exotische Kulturen, Familienportraits, sowie Clips aus uralten Spielfilmen. Höhepunkte sind eine kolorierte sechsminütige Schiffsbruchrobinsonade und ein handkolorierter Film über die Kreuzigung von 1906/07. Die bis Mitte der 50er Jahre verwendeten Nitratfilme sind verderblich. Sie lösen sich schlichtweg auf, wenn sie nicht rechtzeitig umkopiert werden. Am Ende von LYRISCHES NITRAT kann einem schon das Herz bluten, wenn man den Film über die Verführung von Adam und Eva im Paradies sieht. Die Verwandlung des Teufels (in Gestalt einer Frau) in eine Schlange ist noch deutlich zu erkennen. Dann aber löst sich das Bild in verschwommene Flecken auf…

 

 

2) KAFKA GEHT INS KINO

 

 

Von Hanns Zischler, Deutschland 2002, WDR/arte, 55 Min.

 

Collagenartige Dokumentation über Franz Kafka (1883-1924) und seine Gedanken zum Kino. Es werden Passagen aus Kafkas Tagebüchern zitiert, die irgendwie mit Film zu tun haben. Dabei schwingen oberflächlich einige Stationen in Kafkas Leben mit, z.B. seine Beziehung zu Felice Bauer und Dora Diamant. Von Kafka geschriebene Postkarten werden eingeblendet, während seine Zeilen zu Film & Kino zitiert werden. Besonders hat es ihm DIE WEIßE SKLAVIN (DK 1910) angetan. Noch Jahre später erinnert er sich an diesen Film über Zwangsprostitution. Berichtet wird über Kafkas Reisen nach Paris 1910 und 1911 mit seinen Freunden Max und Otto Brod. Die Doku mixt Bilder vom damaligen mit dem heutigen Paris. Dabei wird eine eigenwillige Bildkomposition gewählt: Windschutzscheiben, Zugabteile, Buchseiten etc. halten als Projektionsfläche für Filme her, über die Kafka schreibt. Film und Realität scheinen zu verschwimmen. Es sind keine analytische Filmtexte, die hier zitiert werden, sondern meist nur flüchtige Filmnotizen, z.B. kurze Inhaltsangaben oder Empfehlungen für Bekannte. Kafka macht sich Gedanken über eine Kombination von Kino und Stereoskop, sinnt nach über Albert Bassermann, dem großen deutschen Theaterschauspieler seiner Zeit, der in DER ANDERE (1913) seine erste Filmrolle spielte. Kafka schreibt über Filmplakate, die ihn in den Bann gezogen haben. Er kannte angeblich die Wochenprogramme sämtlicher Berliner Kinos auswendig. Clips aus folgenden Filmen:

Le martyre de Louis XVII (F 1906)

Nick Winter et le vol de la Joconde (F 1911, R: Paul Garbagni)

Lutte pour la vie (F 1910)

La Broyeuse de cœurs (F 1913, R: Camille de Morlhon)

Panorama pendant l’ascension de la Tour Eiffel (F 1898)

L’Arrivée d’un train à la Gare de la Ciotad (F 1895)

Theodor Körner (D 1910)

Den hvide slavenhandels sidste offer (Die weiße Sklavin, DK 1910, R: August Blom)

Daddy Long Legs (USA 1919, R: Marshall Neilan; D: Mary Pickford, Milla Davenport)

The Kid (USA 1912, R: Charles Chaplin; D: Chaplin, Jackie Coogan, Edna Purviance)

Der Andere (D 1913, R: Max Mack; D: Albert Bassermann, Hanni Weisse)

 

 

 

Themen

 

1) TABUS VON VORGESTERN -
DER SITTEN- UND AUFKLÄRUNGSFILM DER ZWANZIGER JAHRE


 

 

Doku von Friedrich von Zglinicki, Deutschland 1984, NDR, 60 Min.

 

1918, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde die Filmzensur per Gesetz abgeschafft. Für kurze Zeit erlebte die Leinwand das Durchbrechen von Tabus, der Sittenfilm kam auf. Nur zwei Jahre später wurde die Filmzensur offiziell wieder eingeführt. Selbst Aushängefotos wurden zensiert und zur besseren Kontrolle erhielt jeder Film eine Zensurkarte. Diese Doku zeigt beispielhaft (manchmal minutenlange) Ausschnitte von Filmen (s. Auflistung unten), die die Botschaft hatten, aufzuklären und Tabus zu brechen. Richard Oswald war der Pionier des deutschen Aufklärungsfilms. Ihm stand bei seinem Homosexuellen-Drama ANDERS ALS DIE ANDERN der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld als Berater zur Seite. Für Hirschfeld, dessen Ziel die Strafrechtsreform des §175 war, war der Film ein willkommener Teil seiner Aufklärungskampagne. Der Regisseur Geza von Cziffra wird zu Oswalds Filmschaffen interviewt. Ebenfalls spricht er über die Skandaltänzerin Anita Berber, die in einigen Oswald-Filmen mitgewirkt hat. Die Schauspielerin Hertha von Walther erzählt über witzige Ereignisse bei den Dreharbeiten zu WEGE ZU KRAFT UND SCHÖNHEIT, sowie über ihre Erlebnisse bei den Dreharbeiten zu DIE FREUDLOSE GASSE, wo sie eine Vergewaltigungsszene mit Werner Krauss drehte. Weitere Filmausschnitte werden gezeigt zum Thema Blutschande (§173) aus dem gleichnamigen Film, zum Thema Abtreibung (§218) (FRAUENNOT – FRAUENGLÜCK), Prostitution (DIRNENTRAGÖDIE), die Sexualnot von Strafgefangenen und ihrer Ehepartner, sowie zur Psychoanalyse (GEHEIMNISSE EINER SEELE) und Rauschgift (OPIUM).

Rhapsodia Satanica (I 1915, R: Nino Oxilia)

Der Reigen (D 1920, R: Richard Oswald)

Anders als die Andern (D 1919, R: Richard Oswald)

Aus eines Mannes Mädchenjahren (D 1918, R: Karl Grune)

Dida Ibsens Geschichte (D 1918, R: Richard Oswald)

Dr. Mabuse, der Spieler (D 1922, R: Fritz Lang)

Opium (D 1919, R: Robert Reinert)

Geheimnisse einer Seele (D 1926, R: G. W. Pabst)

Hexen (Häxan, S 1922, R: Benjamin Christensen)

Geschlecht in Fesseln - Die Sexualnot der Strafgefangenen (D 1928, R: Wilhelm Dieterle)

Blutschande (D 1929, R: James Bauer)

Frauennot – Frauenglück (CH 1929, R: Eduard Tissé)

Wege zu Kraft und Schönheit (D 1925, R: Wilhelm Prager)

Dirnentragödie (D 1927, R: Bruno Rahn)

Die freudlose Gasse (D 1925, R: G. W. Pabst)

Tagebuch einer Verlorenen (D 1929, R: G. W. Pabst)

2) SATURN - DIE EROTISCHEN ANFÄNGE DER ÖSTERREICHISCHEN KINEMATOGRAPHIE

 

 

Dokumentation des Film Archiv Austria, Österreich 1999, 60 Min.

 

Diese Doku, die man hier auf VHS bestellen kann, gibt eine kurze Einführung in die Filmwelt der Wiener Firma "Saturn", die 1906 von Johann Schwarzer gegründet wurde und sich ausschließlich auf die Produktion erotischer Filme spezialisiert hat. Erotische Themen waren beliebt in der Frühzeit des Kinos. Unter anderem waren französische Firmen Vorreiter und produzierten bereits Ende des 19. Jahrhunderts kurze erotische Filme. Die Doku stellt den Kurzfilm der französischen Firma "Pathé" BADEN VERBOTEN dem gleichnamigen Film der Firma "Saturn" gegenüber. Auffallend ist, daß die österreichischen Filme viel freizügiger sind: Während im französischen Film die badenden Frauen noch bekleidet sind, so sind sie im Saturn-Film völlig nackt. Desweiteren zeigt die Doku Ausschnitte aus dem Anzeigenteil historischer Zeitungen, wo für die "pikanten Herrenfilms" geworben wurde. Schutzmarke der Firma war der Saturn-Stern, der, ähnlich wie bei anderen Filmfirmen dieser Zeit, auffallend im Bild platziert wurde, sei es z. B. am Dekor etc. Saturn-Filme wurden erfolgreich nach ganz Europa exportiert. Es gab eigens Bestellkataloge. Die Filme waren einfach gestrickt. Meist handelte es sich um Situationen, die der Frau die Möglichkeit boten, sich zu entkleiden. Solche Motive waren beispielsweise der Künstler und sein Modell, der Aktphotograph, beim Baden usw. Kombiniert wurde dies mit komischen Einfällen. 1911 wurden etliche Saturn-Filme verboten. Daraufhin stellte die Firma ihren Betrieb ein. Die Doku zeigt anschließend einige Saturn-Filme in voller Länge, u. a.:

Beim Fotografen

Baden verboten

Das eitle Stubenmädchen

Das Sandbad

Lebender Marmor

Die Macht der Hypnose

Weibliche Assentierung

Sklavenmarkt

Eine moderne Ehe

 

3) ALS MAN ANFING ZU FILMEN... DER FILMPIONIER OSKAR MESSTER

 

 

Doku von Harald Pulch und Martin Loiperdinger, Deutschland 1995, BR, 60 Min.

 

Oskar Messter, geb. 22.11.1866 in Berlin, war der erste deutsche Hersteller kinematographischer Geräte. Schon 1896 konstruierte er einen Mechanismus, der das Filmmaterial im Kinematographen schonte: Das sog. Malteserkreuz. Diese Doku aus dem Jahr 1995 demonstriert anhand eines Einspielfilms wie dieser Greifmechanismus funktioniert. Früher wurden in der Firma von Messters Vater medizinische Geräte wie Mikroskope hergestellt. Oscar Messter übernahm den Betrieb 1894. Einblicke in alte Auftragbücher belegen, daß er schon 1896 Filmprojektoren verkauft hat. Er optimierte die Geräte über Jahre. Um sie verkaufen zu können, mußte er selber Anschauungsmaterial, also Filme produzieren. In der Doku werden viele Ausschnitte aus Messter-Filmen gezeigt (manche leider nicht näher bezeichnet). Messter war der erste, der den deutschen Kaiser filmte. Messter war Erfinder. Er experimentierte mit Tonfilmen. Allein zwischen 1903 und 1913 entstanden über 1000 Tonfilme. Der Ton wurde zunächst auf Grammophonplatten aufgezeichnet, danach wurde entsprechend gefilmt. Messter ließ sich sein Tonbildverfahren patentieren. Er experimentierte auch mit Farbfilm und dem plastischen Film, er drehte wissenschaftliche Filme, also Lehrfilme mit Zeitlupen- und mikroskopischen Aufnahmen. Messter erfand den Dirigentenfilm: Dieser Film wurde vor Publikum so projiziert, daß die Zuschauer (wie im Konzert) den Dirigenten von hinten sahen, während das Orchester ihn von vorn sah. Nur wenige Sekunden Filmmaterial eines Dirigentenfilms hat die Zeit überdauert. Messter brachte Henny Porten hervor, Deutschlands ersten Filmstar. Die Doku bringt einige Ausschnitte früher Porten-Filme. Messters Hobby war das Ballonfahren, und als er sich 1914 freiwillig zum Militärdienst verpflichtete, kam er zur Luftwaffe. Hier war sein Wissen gefragt, denn die Nachfrage nach Bildern von Kriegsschauplätzen (Stichwort Aufklärung, Reihenbildfotographie) war groß. Hier erfand er die Maschinengewehrkamera, ein Gerät, daß prinzipiell wie ein MG funktionierte, doch statt Kugeln mit hoher Geschwindigkeit Bild um Bild schoß. Auf einem weiteren Gebiet machte er ab 1914 mehr Umsatz als mit seinen Spielfilmen, nämlich mit der Messter-Wochenschau. Die erste kam im Oktober 1914 kurz nach Kriegsbeginn heraus. Messter wußte um die Funktion des Films als politisches Werbemittel. Auch sein Star Henny Porten warb in Filmen für Kriegsanleihen. In der Doku werden Clips vorgestellt. 1917 wurde die UFA gegründet, an die Messter seine Firmen verkaufte. Die Doku bringt Aufnahmen von Messters 65. und 70. Geburtstag. Außerdem werden immer wieder Ausschnitte aus einer zeitgenössischen Doku eingespielt, in der Messter zu Publikum über seine Zeit als Filmpionier plaudert. Messter vermachte die Sammlung seiner technischen Geräte dem Deutschen Filmmuseum München. Er verstarb am 7.12.1943.

Arbeiter verlassen die Fabrik (F 1895)

Gemütlich beim Kaffee (D 1897)

Aufstieg eines Luftschiffs in Luzern

Fahrt durch die Berliner Friedrichstraße

Tanz der Salome (D 1906), plus farbige Luxuskopie von 1909

Meißner Porzellan (D 1906, R: Franz Porten; D: Henny Porten, Rosa Porten)

Alexandra (D 1915, R: Curt A. Stark; D: Henny Porten, Friedrich Feher, Ernst Bretschke)

Gebrochene Schwingen

(Werbefilm für Kriegsanleihen mit Henny Porten)

Dick Carter und der Dieb (?)

Die Claudi vom Geiserhof (D 1917, R: Lupu Pick; D: Henny Porten, Eduard von Winterstein)

(Privataufnahmen von Oskar Messter)


 

 

Gesamtdarstellungen

 

1) DAS GOLDENE ZEITALTER DER KINEMATOGRAPHIE

 

 

Dokureihe von Hartmut Bitomski u. Werner Dütsch, Deutschland 1976, WDR, je 45 Min.

 

Teil 1

 

In Teil 1 der Doku geht es um verschiedene Aspekte der frühen Stummfilmzeit: Massenmedien, Massenkonsum, um den Verkauf von Waren und Träumen. Viele frühe Filme der Firma Gaumont und Pathé beinhaltet diese Doku – leider meist nur ausschnitthaft. Dies sind colorierte Filme der Jahrhundertwende oder frühe Slapstickfilme, über die die Stimme des Sprechers gelegt wird, der dann darüber berichtet, worauf Komik beruhte (Schadenfreude, Unglück), Originalzitate wiedergibt über die Schwierigkeiten von Außendrehs im Jahr 1911 oder aus historischen Kinofilmbeschreibungen der Firma Gaumont zitiert. Ein Highlight ist der vollständig gezeigte tragische Griffith-Film DER GOLDTALER (USA 1908), über den eine voice-over Stimme aus den frühen Lebenserinnerungen von Charles Chaplin zitiert. Desweiteren geht es um Filme, „die von der Liebe handeln auf die eine oder andere Weise“. Gezeigt wird hier der „Herrenabendfilm“ IM MALERATELIER (s. Bild oben). Außerdem werden Anekdoten aus der frühen Stummfilmzeit erzählt: Über einen Mann, der 1913 heimlich einen Projektionsapparat im Keller eingerichtet hatte, illegale Vorstellungen bot und deshalb vors Bezirksgericht gestellt wurde (auch damals war also schon die Eigentumsfrage gang und gäbe), sowie über Schwierigkeiten des Films mit der Zensur. Hier erzählt ein Beispiel von einer Filmfirma, die sich bei den Behörden einzuschmeicheln versuchte, indem sie auf die guten Dienste des Films gegenüber Polizei und Gericht verwies: Bei einem Prozeß gegen vermeintliche Revoltierer dienten nämlich Filmaufnahmen als Beweis für die Teilnahme an der Revolte.

Das Glück kommt über Nacht (F 1910)
 

Der Goldtaler (USA 1908, R: D. W. Griffith)

Der kleine Trommler

Im Maleratelier

 

Teil 2

 

Die technischen Phantasien des ausgehenden 19. Jahrhunderts spiegeln sich in vielen Filmen der Frühzeit des Kinos wider. Die immer komplizierter werdenden Apparate entziehen sich mehr und mehr der Kontrolle ihrer Erfinder. Teil 2 der Doku versteht sich als ironische Bilanz dessen, was der Segen der Technik den Menschen eingebracht hat. Daß diese Doku schon ein wenig ungewöhnlich ist, zeigt sich schon am nicht vorhandenen Vor- und Abspann. Die Credits werden gesprochen, ähnlich wie bei Truffauts FAHRENHEIT 451 (GB 1966). Wie in Teil 1 der Doku gibt’s auch hier zahlreiche Schnipsel aus leider nicht näher bezeichneten oder datierten frühen Stummfilmen. Einige komplett gezeigte Highlights (in die manchmal hineingequaselt wird) gibt’s aber auch (s. Liste unten). Die Prämisse der Doku ist, daß der Kinematograph, der ja auch eine Erfindung des 19. Jahrhunderts ist, gern Zwiesprache mit der Technik hält, d.h. häufig Filme zeigt, in der die Technik nicht funktioniert, wie z.B. scheiternde Flugpioniere, eine Radfahrerin (in einen Slapstickfilm), die ständig Unfälle baut, etc. Der Mann hinterm Kinematograph filmte vor allem Dinge, die sich bewegen. Beispielhaft werden Ausschnitte aus Aktualitätenfilmen gezeigt, wie Kriegsschiffe, Eisenbahnen und die Pariser Weltausstellung des Jahres 1900. Der Weltausstellung war eine Kolonialausstellung angehängt. Der Sprecher der Doku deutet die Filme dieser Ausstellung, und resümiert, daß nur das gefilmt wurde, was vom Standpunkt der kolonialen Geschäfte von Interesse war: Der militärischen Eroberung fremder Länder und deren Inbesitznahme durch europäische Besatzer, folgte deren visuelle Erschließung durch den Kinematographen.

Die böse Hexe (coloriert)

Erste Ausfahrt einer Radlerin (1907)

L’Insaisissable Boireau (Der unsagbare Boireau), Pathé

 

2) HOLLYWOOD

13-tlg. Doku-Reihe von Kevin Brownlow u. David Gill, England 1980, à 50 Min.


1) The Pioneers

Als diese Dokureihe (moderiert von James Mason) produziert wurde, waren viele Stars, die die goldene Ära Hollywoods mitgestaltet haben, noch am Leben. Interviewt werden viele bekannte Gesichter, die Erinnerungen Revue passieren lassen, wie z. B. Hal Roach, Blanche Sweet und Lilian Gish. Die Doku stimmt ein mit Clips von großen Stummfilm-Blockbustern wie NOAH’S ARK (1927), WINGS (1927) und BEN HUR (1925). Danach wird sich den frühen Jahren Hollywoods gewidmet, angefangen mit THE GREAT TRAIN ROBBERY (1903). Darsteller „Broncho Billy“ Anderson (in einem Interview von 1957) erinnert sich an die aufsehenerregende Uraufführung, bei der das Publikum vor Begeisterung ‚mitging’, denn einen Western hat man vorher auf der Leinwand nie gesehen. 1907 gab es in Amerika rund 3000 Nickelodeons mit rund 2 Millionen Besuchern am Tag. Lois Weber wird interviewt zu SUSPENSE (1913), in dem sie die Hauptrolle einer Frau spielt, die von einem Einbrecher bedroht wird. Der Film ist bekannt für seine Einstellungen mit dreifachem Splitscreen. Die Journalistin Adela Rogers St. John erinnert sich an die Uraufführung von Griffiths BIRTH OF A NATION (1915). Für diesen Film, der ursprünglich „The Clansman“ (nach dem gleichnamigen Roman) hieß, wurde eigens eine Musik komponiert. Der Ritt des Ku Klux Klan in BIRTH OF A NATION hatte Proteste und Massenunruhen in der Bevölkerung hervorgerufen. Ein Film, der die Filmindustrie verändert hat und ein Beweis ist für die enorme suggestive Wirkung des Mediums Film.

The Fire Brigade (USA 1926, R: William Nigh; D: Holmes Herbert, May McAvoy)
The Jazz Singer (USA 1927, R: Alan Crosland; D: Al Jolson, May McAvoy)
Wings (USA 1927, R: William A. Wellman; D: Clara Bow, Richard Arlen, Gary Cooper)
Ben Hur (USA 1925, R: Fred Niblo; D: Ramon Novarro, Betty Bronson)
The Black Pirate (USA 1926, R: Albert Parker; D: Douglas Fairbanks)
Big Business (USA 1929, R: James W. Horne, Leo McCarey; D: Stan Laurel, Oliver Hardy
The Wind (USA 1928, R: Viktor Sjöström; D: Lillian Gish, Lars Hanson)
Noah's Ark (USA 1928, R: Michael Curtiz; D: Dolores Costello, Myrna Loy, George O'Brien)
The Great Train Robbery (USA 1903, R: Edwin S. Porter; D. Gilbert M. "Broncho Billy" Anderson)
The Red Spectre (F 1907, R: Ferdinand Zecca)
Les Amours de la Reine Elisabeth (F 1912, R: Henri Desfontaines; D: Sarah Bernhardt)
The Musketeers of Pig Alley (USA 1912, R: D. W. Griffith; D: Lilian Gish, Elmer Booth)
An Unseen Enemy (USA 1912, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Dorothy Gish)
The Girl and Her Trust (USA 1912, R: D. W. Griffith; D: Dorothy Bernhard, Wilfred Lucas)
Sunspense (USA 1913, R: Phillips Smalley; R: Lois Weber, Sam Kaufman)
Quo Vadis (I 1912, R: Enrico Guazzoni; D: Carlo Cattaneo)
Judith of Bethulia (USA 1914, R: D. W. Griffith; D: Blanche Sweet, Lillian Gish, Henry B. Walthall)
The Birth of a Nation (USA 1915, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Ralph Lewis, Mae Marsh)


2) In the beginning

In diesem Teil der Doku-Reihe geht es um die Entstehung der Filmstadt Hollywood. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurden amerikanische Filme vor allem in Fort Lee, New Jersey (bei New York) produziert. Man drehte auf den Dächern der Hochhäuser, um das natürliche Sonnenlicht zu nutzen. Etablierte Produzenten schlossen sich zu einem Trust zusammen. Neue, unabhängige Regisseure wurden mit Gangstermethoden daran gehindert, Filme zu drehen; Drohungen wurden ausgesprochen oder das Equipment gestohlen. Regisseur Allan Dwan war einer der ersten, die nach Kalifornien gingen. Entlang der Küste entstanden viele Filmproduktionsorte. In Kalifornien war die Bedrohung durch den Trust geringer, das Wetter war immer sonnig und landschaftsmäßig war alles vorhanden: Berge, Grasland., Meer, Wüste… ideal für Dreharbeiten. Die Doku bietet einige frühe backstage Fotos von Filmproduktionsstätten. Allan Dwan und Lillian Gish berichten darüber, mit welch einfachen Methoden notdürftig die open air Sets bei den frühen Filmen zusammengehämmert wurden. Fotos belegen, 1910 gab es in Hollywood noch keine Filmstudios. 1911 wurden die ersten gebaut. Mehrere Fotos dokumentieren, wie Hollywood mit den Jahren gewachsen ist. 1913 drehte Cecil B. deMille mit THE SQUAW MAN Hollywoods ersten Film mit „Spiellfilmlänge“. Nichte Agnes de Mille erzählt über die familiären Dreharbeiten. Sie gibt zu Bedenken, daß die Filmpioniere Hollywoods im Grunde keine Künstler waren. Das Medium „Film“ war neu und niemand hatte große Erfahrung damit. Doch sie brachten den nötigen Enthusiasmus mit. Jeder Film brach Grenzen, die Filmsprache wurde ständig erweitert. Somit ebneten die Pioniere den Weg für spätere Generationen von Filmkünstlern. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel die europäische Filmproduktion zusammen; Hollywoodfilme wurden überall hin exportiert. Douglas Fairbanks jr. berichtet über die Reise seines berühmten Vaters nach England, wo er und seine Frau Mary Pickford frenetisch gefeiert wurden. Fotos und Filmmaterial zeigen die Hysterie der Fans. Hal Roach erinnert sich an die großen Filmpaläste, die nach und nach die kleinen Nickelodeons ablösten. Die Doku spielt einige historische Aufnahmen ein. Zu Beginn der 20er drehte Hollywood die großen Blockbuster mit Douglas Fairbanks. Fotos vom Set von ROBIN HOOD (1922) zeigen, wie gigantisch die Ausmaße waren, größer noch als bei Griffiths Epos INTOLERANCE (1916). 1923 entstand der erste „Flapper“-Film, FLAMING YOUTH, mit Colleen Moore in der Hauptrolle. Mit ihrer Pagenfrisur kreierte Moore einen bisher nicht da gewesenen neuen Frauen-Look. Die Doku zeigt Ausschnitte aus den folgenden Filmen:

When the Studio Burned (USA 1913, R: Lawrence Marston; D: Marguerite Snow, James Cruze, Helen Badgley)

Faithful  (USA 1910, R: D. W. Griffith; D: Mack Sennett, Kate Bruce, Frank Powell

The Squaw Man (USA 1914, R: Cecil B. deMille; D: Dustin Farnum, Haidee Fuller, Hal Roach, Art Acord)

Silent Heroes (USA 1913)

The Extra Man and the Milk-Fed Lion (USA 1916, R: William Bertram; D: Art Acord, Dixie Stratton, Lawrence Peyton)

Teddy at the Throttle (USA 1917, R: Clarence G. Badger; D: Gloria Swanson, Bobby Vernon, Wallace Beery)

Intolerance (USA 1916, R: D. W. Griffith; D: Mae Marsh, Sam de Grasse, Tom Wilson, Vera Lewis)

Joan the Woman (USA 1917, R: Cecil B. deMille; D: Geraldine Farrar, James Neill, Tully Marshall, Hobart Bosworth)

Robin Hood (USA 1922, R: Allan Dwan; D: Douglas Fairbanks sr., Wallace Beery, Enid Bennett, Alan Hale)

Flaming Youth (USA 1923, R: John Francis Dillon; D: Colleen Moore, Gertrude Astor, Milton Sills, Sylvia Breamer)

Heart o’ the Hills (USA 1919, R: Joseph de Grasse, Sidney Franklin; D: Mary Pickford, Claire McDowell, Harold Goodwin, Sam de Grasse)

Suds (USA 1920, R: John Francis Dillon; D: Mary Pickford, Harold Goodwin, Rose Dione, Albert Austin)

Potseluy Meri Pikford (ET: A Kiss From Mary Pickford, UdSSR 1927, R: Sergei Komarov; D: Igor Ilyinsky, Anna Sten, Mary Pickford)

The Thief of Bagdad (Der Dieb von Bagdad, USA 1924, R: Raoul Walsh; D: Douglas Fairbanks sr., Anna May Wong, Noble Johnson, Brandon Hurst)

3) Single Beds and Double Standards

In dieser Episode geht es um die Schattenseiten Hollywoods, angefangen mit dem Skandal um den Schauspieler Fatty Arbuckle. Roscoe „Fatty“ Arbuckle war Ende der 10er/Anfang der 20er so populär wie Charlie Chaplin. Schauspielkolleginnen Adela Rogers St. John und Viola Dana berichten nur Gutes über den Mann mit dem dicken Bauch und dem unschuldigen Mondgesicht. Arbuckle stand bei Adolph Zukor (Paramount) unter Vertrag, was ihm 1 Mio. Dollar jährlich an Gage einbrachte. 1921 wurde er angeklagt, auf einer wilden Party die Schauspielerin Virginia Rappe brutal mit einer Flasche vergewaltigt zu haben, an deren Folgen sie ein paar Tage später starb. Die Presse spielte den Fall hoch, manipulierte Fotos, die Arbuckle schon hinter Gittern zeigten. Erst nach der dritten Verhandlung wurde er freigesprochen, doch seine Karriere war am Ende. Andere Schauspieler, wie Wallace Reid, gerieten wegen ihres Drogenkonsums in die Schlagzeilen. Hollywoods Reputation wurde umso mehr beschädigt, als Anfang 1922 Regisseur William Desmond Taylor ermordet aufgefunden wurde. Es ging die Angst um, die Filmindustrie könnte darunter leiden. Die Einspieleinnahmen schwächelten, Banken hielten sich bei der Finanzierung von Filmen zurück. Der Ruf nach einer nationalen Filmzensur wurde laut. Bisher gab es in Amerika eine Vielzahl lokaler Zensurbehörden, die je nach dem Grad der Prüderie die Schere ansetzen. Beiseitegefegt wurden sie durch die 1922 gegründete MPAA (Motion Pictures Producers Association) mit William Hayes (ein ehemaliger Wahlkampfmanager) an der Spitze. Er führte eine Selbstzensur auf der Grundlage eines Moralkodex ein. Dieser erhielt eine Liste von „Don’ts“ und „Be Carefuls“, was im Film erlaubt und was fragwürdig sei, z. B. daß ein Kuß nicht länger als 3 Sekunden zu sehen sein dürfe etc. Nicht jeder Regisseur hielt sich an die Gebote und je nach Können umging er sie geschickt. Als Beispiel bringt die Doku eine Szene aus A WOMAN OF AFFAIRS (1928), einem Film, dessen Romanvorlage wegen seiner Freizügigkeit schon auf Hays’ Index stand. Die freiwillige Selbstzensur wurde übrigens 1934 verschärft als mit der Einführung des „Production Code“ nun jeder Film vor seiner Premiere von der „Production Code Administration“ abgesegnet werden mußte. Colleen Moore, Hauptdarstellerin aus ELLA CINDERS (1926), einer modernen Cinderella-Adaption, erzählt von der Ehefrau von Cecil B. deMille, die eine Bleibe gegründet hat für die zahlreichen in Hollywood gestrandeten Mädchen, die sich hier eine Filmkarriere erhofften. Ihnen wurde das Ticket für die Rückfahrt gezahlt. Weniger Glückliche endeten als Huren oder spielten in obskuren pornographisch angehauchten low budget Komödien mit, den sog. „stag films“. Die Doku bringt Ausschnitte aus JAZZ BABIES. Ansonsten kommen Clips aus folgenden Filmen vor:

Fatty and Mabel Adrift (USA 1916, R: Roscoe Arbuckle; D: Roscoe Arbuckle, Mabel Normand, Al St. John)

Coney Island (USA 1917, R: Roscoe Arbuckle; D: Roscoe Arbuckle, Buster Keaton, Alice Mann)

The Reformers (USA 1913)

Life of the Party (USA 1920, R: Joseph Henabery; D: Roscoe Arbuckle, Winifred Greenwood)

Isle of Love (USA 1916, R: Edwin Middleton; D: Gertrude McCoy, Earl Schenck, Iva Shepard)

He Did and He Didn’t (USA 1916, R: Roscoe Arbuckle; D: Roscoe Arbuckle, Mabel Normand, Al St. John)

Ten Commandments (Die Zehn Gebote, USA 1923, R: Cecil B. deMille; D: Leatrice Joy, Nita Naldi, Noble Johnson)

Human Wreckage (USA 1923, R: John Griffith Wray; D: Dorothy Davenport, Bessie Love, James Kirkwood)

Ella Cinders (USA 1926, R: Alfred E. Green; D: Colleen Moore, Lloyd Hughes, Vera Lewis)

Jazz Babies (USA ??)

A Woman of Affairs (Eine schamlose Frau aka Herrin der Liebe, USA 1928, R: Clarence Brown; D: Greta Garbo, John Gilbert)

4) Hollywood Goes to War

Wie der Titel erahnen läßt, geht es in dieser Folge um den Kriegsfilm. Als in Europa schon der Krieg wütete, wurden in den USA Antikriegsfilme gedreht, wie z. B. THE BATTLE CRY OF PEACE und CIVILIZATION (beide 1916). Ersterer schildert die Greuel des Kriegs auf amerikanischem Boden: eine zerstörte Hauptstadt, Evakuierung New Yorks. Auch CIVILIZATION liegt im Trend. Präsident Wilson bedankte sich nach seiner Wiederwahl 1916 persönlich bei Regisseur Thomas Ince, der Film hätte mit seiner pazifistischen Tendenz zu seinem Wahlerfolg beigetragen. Untermalt werden diese Filmausschnitte mit damals populären Songs wie „I Didn’t Raise My Boy To Be A Soldier“. Die Stimmung schlug um, als die USA 1917 Deutschland den Krieg erklärten. Propagandafilme wurden gedreht. Stars wie Charles Chaplin, Mary Pickford und Douglas Fairbanks schwangen öffentlich Reden vor großem Publikum, drehten Kurzfilme, die dafür warben, Kriegsanleihen zu kaufen (THE BOND). Die Doku zeigt einige seltene Aufnahmen von der Front, die niemals auf der Leinwand aufgeführt wurden. Lillian Gish spricht über die Dreharbeiten von Griffiths HEARTS OF THE WORLD in Frankreich, der im sicheren Hollywood vollendet wurde und dem amerikanischen Publikum die ganze Tragik des Kriegs vor Augen führte durch die Darstellung menschlicher Schicksale. Der Clip aus HEART OF HUMANITY bringt die berühmt-berüchtigte Szene, in der Erich von Stroheim (als fieser „Hunne“) ein Kind aus dem Fenster wirft. Mit diesem Film etablierte Stroheim seinen Spitznamen „The Man You Love To Hate“. Nach Ende des Krieges, als die europäische Filmwirtschaft am Boden lag, war Hollywood Spitzenreiter in der Filmproduktion. 80% aller amerikanischen Filme wurden zu dieser Zeit allein in Hollywood gedreht. Das Publikum hatte genug von Kriegsfilmen und erst 1925, als die Zeit reif schien und mit dem Abstand von einigen Jahren nun eine andere Sicht auf die Dinge möglich war, wagte sich King Vidor (der dazu interviewt wird) an die Verfilmung eines Stoffes nach wahrer Begebenheit: John Gilbert kehrt in THE BIG PARADE als Kriegsversehrter heim. Der Film schildert in eindringlichen Bildern, daß Krieg nicht Ruhm und Ehre hervorbringt, sondern Leid und Tod. WHAT PRICE GLORY (1926) kommt eher komödienhaft daher. Hierzu wird Regisseur Raoul Walsh interviewt. Die Doku bringt ein paar Bilder vom Set von WINGS (1927), einem Antikriegsfilm mit Soundeffekten. ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT (1930) wurde als Stumm- und als Tonfilmversion produziert. (Die stumme Fassung wurde 2004 bei den Bonner Stummfilmtagen aufgeführt). Die Doku bringt Clips aus folgenden Filmen:

The Battle Cry of Peace (USA 1915, R: J. Stuart Blackton, Wilfrid North; D: Norma Talmadge, Charles Richman, James Morrison)
Civilization (USA 1916, R: Thomas H. Ince, Reginald Baker; D: Kate Bruce, Howard C. Hickman, Enid Markey, Lola May)
Intolerance (USA 1916, R: D. W. Griffith; D: Sam de Grasse, Mae Marsh, Robert Harron, Ralph Lewis)
The Bond (Die Anleihe, USA 1918, R: Charles Chaplin; D: Ch. Chaplin, Edna Purviance)
Hearts of the World (USA 1918, R: D. W. Griffith; D: Lillian Gish, Dorothy Gish, Robert Harron, George Siegman, Erich von Stroheim)
Heart of Humanity (USA 1918, R: Allen Holubar; D: Erich von Stroheim, Dorothy Phillips, William Stockwell, Robert Anderson)
My Four Years in Germany (USA 1918, R: William Nigh; D: Halbert Brown, Earl Schenck, Louis Dean, Karl Dane)
The Big Parade (Die große Parade, USA 1925, R: King Vidor; D: John Gilbert, Renée Adorée, Hobart Bosworth, Claire McDowell)
What Price Glory? (Rivalen aka Nie wieder Krieg, USA 1926, R: Raoul Walsh; D: Edmund Lowe, Dolores del Rio, Victor McLaglen)
Wings (USA 1927, William A. Wellman; D: Clara Bow, Richard Arlen, Charles Rogers, Gary Cooper, Henry B. Walthall)
All Quiet on the Western Front (Im Westen nichts Neues, USA 1930, R: Lewis Milestone; D: Lew Ayres, Louis Wolheim, Beryl Mercer)

5) Hazard of the Game
6) Swanson and Valentino
7) The Autocrats
8) Comedy - A Serious Business

9) Out West

Im neunten Teil der Reihe geht es um Hollywoods stumme Western. Westernfilme waren von Beginn an populär, war doch der Wilde Westen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Teil der jüngsten Vergangenheit. Die Doku zeigt Ausschnitte aus einem sehr frühen Western (nicht näher betitelt), um zu demonstrieren, wie primitiv die Aufnahmebedingungen damals gewesen sind (gemalte Hintergründe!). Im Lauf der Zeit wandelte sich das gehörig, und wie Henry King im Interview betont, daß für ihn das Setting immer von großer Bedeutung war, wurden die Szenerien majestätischer. Schon der Stummfilmwestern kannte die Wirkung von epischen Breiten auf der Leinwand. Schauspielerin Blanche Sweet berichtet über die schwierigen Dreharbeiten von THE MASSACRE (1913) unter D.W. Griffith. Der Dreh fand in der Wüste statt. Schmutz und Durst waren an der Tagesordnung. Tom Mix und William S. Hart waren die ersten Westernstars. Tom Mix stand eher für Stunts und Humor, während W.S. Hart einen typischen Westernhelden etablierte, wie man ihn von späteren Tonfilm-Western kennt. HELL’S HINGES (1916) war einer von Harts erfolgreichsten Western. Stuntman Harvey Parry erzählt über seine Erlebnisse mit Tom Mix. Dessen Markenzeichen war der weiße Cowboyhut. Mix verstand das Entertainment. In den 20ern gab er extravagante Shows, in denen er sich inszenierte. Einer seiner populärsten Filme ist THE GREAT K & A TRAIN ROBBERY (1926). Dieser Film weist halsbrecherische Stunts auf. John Wayne berichtet über den Western-Schauspieler Harry Carey, der für Wayne ein Vorbild gewesen sei. Carey, der aus New York stammte, lebte auf einer Ranch und liebte das Cowboyleben. Seine Frau erinnert sich. Dem Film THE COVERED WAGON über die großen Trecks gen Westen in der Mitte des 19. Jahrhunderts widmet die Doku die größte Aufmerksamkeit. Regisseur James Cruze sah als Kind selbst die Trecks entlang der Ranch seiner Eltern vorbeiziehen, und hatte daher einen persönlichen Bezug zum Thema. „Echte“ Indianer wirkten mit. Die Dreharbeiten gestalteten sich wegen des schlechten Wetters als schwierig und verzögerten sich. THE IRON HORSE von John Ford ist ein weiterer Film über den Pioniergeist. Hier geht es um den Bau der Western-Pacific Eisenbahn. Ausschnitte aus folgenden Filmen gibt es:

Tumbleweeds (USA 1925, R: King Baggot, William S. Hart; D: William S. Hart, Barbara Bedford, Lucien Littlefield)
The Massacre (USA 1913, R: D. W. Griffith; D: Blanche Sweet, Wilfred Lucas, Lionel Barrymore, Robert Harron)
Tom’s Strategy (USA 1916, R: Tom Mix; D: Tom Mix, Victoria Forde, Howard Farrell, Betty Keller)
The Lady of the Dugout (USA 1918, R: W. S. Van Dyke; D: Al Jennings, Corinne Grant, Ben Alexander)
The Return of the Draw Egan (USA 1916, R: William S. Hart; D: W. S. Hart, Louise Glaum, Robert McKim)
Hell’s Hinges (USA 1916, R: Charles Swickard, W. S. Hart; D: W. S. Hart, Clara Williams, Jack Standing)
The Great K & A Train Robbery (USA 1926, R: Lewis Seiler; D: Tom Mix, Dorothy Dwan, Will Walling)
Straight Shooting (USA 1917, R: John Ford; D: Harry Carey, Molly Malone, Vester Pegg, Ted Brooks)
The Covered Wagon (Die Karawane, USA 1923, R: James Cruze; D: J. Warren Kerrigan, Ernest Torrence, Lois Wilson)
The Iron Horse (Das eiserne Pferd, USA 1924, R: John Ford; D: George O’Brien, Madge Bellamy, Cyril Chadwick)
The Winning of Barbara Worth (Entfesselte Elemente, USA 1926, R: Henry King; D: Ronald Colman, Vilma Banky, Gary Cooper)
10) The Man With the Megaphone
11) Trick of the Light
12) Star Treatment
13) End of an Era

 

Restaurierung

 

1) NOSTALGIE IN ZELLULOID 

 

Filmforum von Curt Truninger, Deutschland 1988, ZDF, 45 Min.

 

Diese Doku bietet viele Interviews mit Menschen, die sich um die Filmkonservierung, -restaurierung und Filmrekonstruktion verdient machen (Stand 1988). Enno Patalas gibt Auskunft zur Rekonstruktion von METROPOLIS (auch zur Moroder-Version). Jürgen Labenski spricht über Techniken der Restaurierung und darüber, ob die Gefahr besteht, daß Filmrekonstrukteure sich ihre eigene Version zusammenbasteln fernab jeder Recherche. Der Filmhistoriker Kevin Brownlow gibt an, daß 80% der bis 1920 gedrehten Filme verloren seien. Filme wurden in der Frühzeit des Kinos am Ende des Verleihweges eben einfach weggeworfen. Außerdem berichtet die Doku über einen spektakulären Filmfund: In einer alten Goldgräberstadt an der Grenze zu Alaska fand man nach 49 Jahren über 500 Nitrofilme, die in einem unbenutzten Swimmingpool verstaut worden waren. Unter ihnen fand sich z. B. Harold Lloyd in BLISS (1917), der als verloren galt. Ausführlich wird die Enkelin des Filmpioniers George Méliès vorgestellt, die sich seit den 40er Jahren darum bemüht, die 508 Filme ihres berühmten Opas zusammenzutragen, zu restaurieren und heutigem Publikum wieder zugänglich zu machen. Desweiteren zeigt die Doku einige alte Kinos in Paris, London und Hollywood und gibt Einblick in die große Lagerhalle des UCLA-Filmarchivs in Los Angeles.

 

2) ALTE FILME IN NEUEM GLANZ -

WIE "PHOTOPLAY" IN LONDON STUMMFILME RESTAURIERT


1. DAS BILD



Dokumentation von Christiane Habich u. Reinhard Wulf, Deutschland 1998, 35 Min.

 

Wie der Titel schon sagt, berichtet die Doku darüber, wie die Firma 'Photoplay' Stummfilme restauriert. Interviewt werden Kevin Brownlow, David Gill (+1997) und Patrick Stanbury zu verschieden Aspekten der Restaurierung. Anhand verschiedener Filmausschnitte wird über die Restaurierung eines Films aus zwei oder mehreren aufgefundenen Fassungen berichtet (BIRTH OF A NATION, USA 1915). Amerikanische Negative, die zur Stummfilmzeit ins Ausland verliehen wurden, enthielten nicht selten unterschiedliche Einstellungen. Dies stellt die Restauratoren vor das Problem, welcher Version der Vorzug zu geben ist (THE FOUR HORSEMEN OF THE APOCALYPSE, USA 1921). Der Film PHANTOM OF THE OPERA existiert in zwei Fassungen, der unvollständigen Version von 1925 und der unvollständigen Version von 1929 (die wiederum viele Sequenzen aus 1925 verwendet). Die 1929er Version enthält zudem andere Hintergründe für die Zwischentitel. Bei der Restaurierung wird Wert darauf gelegt, daß die ursprünglichen Schrifttypen verwendet werden. Am Beispiel dieses Klassikers, der Szenen in Zweifarben-Technicolor enthält, werden die verschiedenen Farbgebungsverfahren zur damaligen Zeit und bei der heutigen Restaurierungsarbeit erläutert (Schablonencolorierung, Handcolorierung, Virage, Tonung). Um herauszufinden, welche Farbgebung ein Stummfilm ursprünglich aufwies, werden alte Schnittlisten der Cutter herangezogen und mit Mappen über Farbgebung aus den 20er Jahren abgeglichen.

 

 

2. DIE MUSIK

 

Dokumentation von Christiane Habich u. Reinhard Wulf, Deutschland 1998, 35 Min.

 

Ohne Musik wären Stummfilme akademisch und langweilig - so äußert sich der Filmkomponist Carl Davis. Kevin Brownlow zitiert den Regisseur King Vidor, der sagte, daß 50% der Emotionen durch die Filmmusik getragen würden. Fügt heute ein Komponist alten Filmen neue Musiken hinzu, muß er sehr sensibel vorgehen, denn er darf nicht der Versuchung erliegen, sich selbst zu verwirklichen, sondern er muß zusehen, eine Musik zu wählen, die einem damaligen Publikum auch gefallen hätte; der Stil der Musik darf sich nicht allzu weit vom Stil des Films entfernen, so Carl Davis. Der Komponist müsse sich heute als Stellvertreter des Regisseurs verstehen. Anhand der erhaltenen Partitur des Films LE JOUEUR  D'ECHECS (ET: The Chess Player, F 1927), die glücklicherweise auch Notizen zu einigen Filmsequenzen enthält, war es möglich, aus den unterschiedlichen überlieferten Kopien des Films, die richtige Fassung zu bestimmen. Von BIRTH OF A NATION (USA 1915) existierte noch ein original Klavierauszug, der aber nicht zur erhaltenen Kopie paßte. Mittels Neuorchestrierung war es möglich, Bild und Film tempomäßig zu arrangieren. Carl Davis erläutert drei immer wiederkehrende Elemente, die er für die Musik von PHANTOM OF THE OPERA (USA 1925/29) geschrieben hat und den Charakter des Phantoms ausdrücken sollen. Das ist einmal ein Thema, das das Bedürfnis des Phantoms nach Liebe ausdrückt, ein zweites Thema, das seine andere, mörderische Seite untermalt, und ein drittes Thema, das das Geheimnisvolle an ihm unterstreicht.


 

3) DIE AUFERSTEHUNG DER NIBELUNGEN. DIE REKONSTRUKTION DES FILMS VON FRITZ LANG



Bericht von Christian Bauer, Deutschland 1988, BR, 30 Min.

 

In dieser Doku wird über die Rekonstruktion von Fritz Langs DIE NIBELUNGEN berichtet. Nach dem 2. Weltkrieg galt die Urfassung als verschollen. Lediglich eine gekürzte Tonfassung aus dem Jahr 1933 war überliefert, mit neuer Musik, Kommentar, und angehaucht mit dem Zeitgeist von 1933. Für die Rekonstruktion des Films wurden fünf Fassungen verwendet, vor allem eine im Moskauer Filmarchiv aufgefundene komplette Fassung, des weiteren zwei deutsche Fassungen, eine britische, sowie eine österreichische Fassung. Es wird erwähnt, daß die britische Fassung Farbreste aufwies. Vermutlich wurden DIE NIBELUNGEN in England seinerzeit in einer eingefärbten Fassung in den Kinos aufgeführt. Gezeigt wird, wie Mitarbeiter des Filmarchivs Koblenz die verschiedenen Fassungen miteinander abgleichen. Dabei fallen interessante, zensurbedingte Unterschiede ins Auge. Enno Patalas berichtet, daß zunächst die russischen Zwischentitel rückübersetzt wurden ins Deutsche. Schließlich tauchten vollständig erhaltene Zensurkarten wieder auf und man war in der Lage, die Titel dem Original entsprechend zu rekonstruieren. Die Doku zeigt nun die einzelnen Schritte, die ein Film bei der Rekonstruktion durchläuft. Die Originalpartitur (für ein 65-köpfiges Orchester) des Komponisten Gottfried Huppertz, die bei der Premiere der NIBELUNGEN gespielt wurde, hat die Zeit glücklicherweise überdauert. Nun wird am Schneidetisch versucht, den rekonstruierten Film mit der Musik in Gleichklang zu bringen. Enno Patalas stellt Mutmaßungen an über die damalige Vorführgeschwindigkeit der NIBELUNGEN. Interviewt wird die Witwe Hupperts’, die über viele Arbeitstreffen ihres Mannes mit Fritz Lang erzählt und vom aufregenden Premierentag berichtet.

 

4) PABST WIEDER SEHEN

Doku von Wolfgang Jacobsen, Martin Koerber u. René Perraudin, Deutschland 1997, ZDF, 60 Min.

Man hätte diese Doku locker auch unter die Rubrik "Regisseure" packen können, denn hier erfährt man nicht nur Interessantes über die Restaurierung der Filme G. W. Pabsts, sondern auch über den Regisseur selbst, seine Motive, seine sozial engagierten (Ton)Filme (WESTFRONT 1918, D 1930; KAMERADSCHAFT, D 1931), die an die Freundschaft mit Frankreich appellieren, seine Arbeit in der Emigration (A MODERN HERO, USA 1934; MADEMOISELLE DOCTEUR, F 1936/37) und in Nazi-Deutaschland (PARACELSUS, D 1943). Anyway, im Zentrum der Doku steht ein Einblick in die Restaurierungsarbeiten von DIE FREUDLOSE GASSE, Pabsts realistisch-zynischem Film über die deutsche Inflation; ein Film, der durch Zensur zu den am meisten verstümmelten Werken der Filmgeschichte gehört. Bei der Restaurierung standen dem Münchner Filmmuseum fünf Kopien (original Nitro-Material) aus aller Welt zur Verfügung, die Szene für Szene verglichen werden mußten. Manche Szenen wiesen unterschiedliche Kamerawinkel auf, manche waren länger, andere Kopien hatten zu viel Kontrast, waren verschrammt oder wiesen sogar neue Szenen auf. Darüber berichtet im Interview Jan-Christopher Horak. Es stellte sich die Frage nach einer Fassung, die Pabsts ursprünglichen Intentionen entspricht. Das erhaltene Drehbuch beschreibt nur die Szenen, verfügt jedoch über kein Einstellungsprotokoll. Daher achtete man der Restaurierung auf narrative Elemente, die zeitlichen und räumlichen Abläufe in die richtige Reihenfolge zu bringen. Die Doku zeigt dies am Beispiel einiger Szenen. Daß die Restaurierung von Filmen auch eine technische Herausforderung ist, zeigen Bilder vom Spezialkopierwerk in Bologna, wo z. B. in Handarbeit an der Perforation des Films geflickt wird, das neue farbige Trägermaterial nach alten Vorgaben bestimmt wird, neue Negative hergestellt werden. Die Doku bietet außerdem viele Setfotos und Ausschnitte weiterer Pabstfilme wie DIE LIEBE DER JEANNE NEY, ABWEGE und DIE BÜCHSE DER PANDORA (s. komplette Auflistung unten), sowie einige zeitgenössische Kommentare von G. W. Pabst selbst, von Louise Brooks, die sich an die Dreharbeiten zu PANDORA erinnert, und von damaligen Kulturkritikern wie Hans Sahl. Mut macht der Kommentar eines Filmrestaurators, der da sagt: "Sie (die verschollenen Filme) sind nicht verloren, sondern warten irgendwo auf uns".

> Regie: alle Georg Wilhelm Pabst
Don Quijote (D/F 1933, D: Feodor Chaliapin sr., Mady Berry, René Donnio, Arlette Marchal, Dorville)
Die freudlose Gasse (D 1925, D: Greta Garbo, Asta Nielsen, Werner Krauss, Jaro Fürth, Einar Hanson, Valeska Gert)
Die Liebe der Jeanne Ney (D 1927, D: Edith Jehanne, Brigitte Helm, Adolf E. Licho, Fritz Rasp, Hertha von Walther, Uno Henning)
Abwege (D 1928, D: Brigitte Helm, Gustav Diessl, Hertha von Walther, Jack Trevor, Fritz Odemar)
Die Büchse der Pandora (D 1929, D: Louise Brooks, Fritz Kortner, Francis Lederer, Alice Roberts, Gustav Diessl)
Tagebuch einer Verlorenen (D 1928, D: Louise Brooks, Vera Pawlowa, Fritz Rasp, Valeska Gert, Sybille Schmitz, André Roanne)
Westfront 1918 (D 1930, D: Gustav Diessl, Else Heller, Fritz Kampers, Hans-Joachim Moebis, Jackie Monnier, Aribert Mog)
Kameradschaft (D 1931, D: Fritz Kampers, Alexander Granach, Elisabeth Wendt)
Die Herrin von Atlantis (D 1932, D: Brigitte Helm, Heinz Klingenberg, Gustav Diessl)
A Modern Hero (USA 1934, D: Richard Barthelmess, Jean Muir, Florence Eldridge)
Mademoiselle Docteur (F 1937, D: Dita Parlo, Pierre Blanchar, Pierre Fresnay)
Paracelsus (D 1943, D: Werner Krauss, Annelies Reinhold, Fritz Rasp, Mathias Wieman, Victor Janson)

Vgl. den Kommentar zu dieser Doku von Jorgus im Forum.


 


 

Musik

 

1) MUSIK IM STUMMFILM

 

 

Doku von Eva Appel, Deutschland 1992, ZDF, 20 Min.

 

In dieser Dokumentation geht es um die Bedeutung der Musik für den stummen Film. Am Anfang revidiert Frank Strobel (Filmmuseum Frankfurt) den Begriff 'Stummfilm', da der Stummfilm niemals stumm war, und schon immer mit Begleitmusik aufgeführt worden ist. Er erzählt davon, wie manchmal die Kinokapellmeister der Stummfilmära aus bereits fertigen Motiven (für Liebe, Erpressung etc.), die im Archiv sortiert waren, Kompilationen zusammengestellt hatten, um einen Film musikalisch zu begleiten. Die Doku beschreibt nun, unterteilt in die Kapitel 'Atmosphäre', 'Charaktere' und 'Revolution und Montage', die Wirkungsweise der Musik im sowjetischen Revolutionsfilm der 20er Jahre. Es werden Ausschnitte aus sechs Filmen dieser Zeit gezeigt (Auflistung siehe unten). Diese Szenen sind besonders wirkungsvoll musikalisch unterlegt. Für einige Filme wurde bereits im Aufführungsjahr die Komposition einer Begleitmusik in Auftrag gegeben (PANZERKREUZER POTEMKIN), für andere wurden im Lauf der Jahrzehnte neue Musiken geschrieben (STURM ÜBER ASIEN). Musik hat die Macht, in den Film 'einzugreifen', indem sie Akzente setzt und unsichtbare Elemente des Films sichtbar macht, Ereignisse vorverlegt oder den Rhythmus bestimmt. Interviewt wird der russische Komponist Alfred Schnittke, der zusammen mit seinem Sohn Andrej eine neue Musik für DIE LETZTEN TAGE VON ST. PETERSBURG geschrieben hat. Er spricht darüber, wie die Filmbilder ihn bei der Komposition beeinflußt haben.

 

Die letzten Tage von St. Petersburg (Konets Sankt-Peterburga, UdSSR 1927, R: Wsewolod Pudowkin, Musik von 1992)

Jüdisches Glück (Jidische Glickn, UdSSR 1925, R: Alexis Granowsky, Musik von 1986)

Der Mann mit der Kamera (Chelovek s kinoapparatom, UdSSR 1929, R: Dziga Vertov, Musik von 1990)

Sturm über Asien (Potomok Chingis-Khana, UdSSR 1928, R: Wsewolod Pudowkin, Musiken von 1929 und 1977)

Das neue Babylon (Novyj Vavilon, UdSSR 1929, R: Grigori Kozintsev, Musik von 1929

Panzerkreuzer Potemkin (Bronenosets Potyomkin, UdSSR 1925, R: Sergej M. Eisenstein, Musiken von 1925 und 1949)

 


2) WHEN SILENCE SINGS - WENN STUMME BILDER SINGEN

 

Portrait von Irina Goldstein, Deutschland 2005, BR, 90 Min.

 

Diese Dokumentation portraitiert den Pianist und Stummfilmkomponist Aljoscha Zimmermann. Geboren 1944 in Riga, kann Zimmermann auf eine lange Karriere als Orchesterleiter zurückblicken, bevor er sich der Stummfilmmusik zuwandte. Er ist zudem Professor an der Hochschule für Musik in München. Die Doku begleitet ihn und seine Tochter Sabrina bei Auftritten in Paris, Moskau und Bonn. Zimmermann läßt durchblicken wie er sich auf die Komposition von Stummfilmmusik vorbereitet. Er liest beispielsweise Literatur über den Regisseur, um sich in die Zeit zu vertiefen. Beim Komponieren beginnt er nicht unbedingt beim Vorspann eines Films, sondern an einer Stelle, die ihm als der Kern des Films erscheint. Zimmermann beschreibt die vielfältigen Möglichkeiten beim Komponieren von Musiken zu Lubitsch-Filmen, da der Regisseur so viele Facetten aufweise. Z. B. könne sein Humor mal sarkastisch oder komisch, aber auch volkstümlich sein. Anhand von Filmausschnitten (s. Auflistung unten) wird dies untermalt. Zimmermann erläutert die Probleme, die Komponisten zur damaligen Zeit hatten. Sie konnten nicht wie er heutzutage auf Videobänder zurückgreifen, um eine Musik einzustudieren, sondern konnten einen Film nur ein- oder zweimal anschauen. Danach hatten sie eine Musik innerhalb kurzer Zeit abzuliefern. Die Doku blickt Zimmermann über die Schulter beim komponieren, arrangieren, einstudieren und bei der Tonaufzeichnung der Musik im Studio. Für ihn ist das Begleiten von Stummfilmen ein intimer Prozeß: Filme, die er schon mehrfach begleitet hat (sein Repertoire umfaßt um die 300 Filme), begleitet er durchaus auch mal auf andere Weise, je nach Inspiration. Der Stil dieser Doku ist schon etwas ungewöhnlich. Erst nach 20 Minuten fällt das erste Wort. Bis dahin wird sie allein von der Musik Zimmermanns, von Stummfilmausschnitten und von Bildern, die ihn bei der Arbeit und beim spazierengehen zeigen, getragen. Die Doku ist ein kleines Kunstwerk für sich, doch mit einigen Längen.

Berlin - Sinfonie der Großstadt (D 1927, R: Walter Ruttmann)

Der letzte Mann (D 1924, R: Friedrich Wilhelm Murnau; D: Emil Jannings, Maly Delschaft)

Tagebuch einer Verlorenen (D 1929, R: Georg Wilhelm Pabst; D: Louise Brooks, Kurt Gerron, Sybille Schmitz)

Entr'Acte (F 1924, R: René Clair)

Die freudlose Gasse (D 1925, R: Georg Wilhelm Pabst; D: Greta Garbo, Werner Krauss, Asta Nielsen)

Die Austernprinzessin (D 1919, R: Ernst Lubitsch; D: Ossi Oswalda, Victor Janson)

Die Bergkatze (D 1924, R: Ernst Lubitsch; D: Pola Negri, Victor Janson, Hermann Thimig)

Madame Dubarry (D 1919, R: Ernst Lubitsch; D: Pola Negri, Reinhold Schünzel, Emil Jannings)

Kohlhiesels Töchter (D 1920, R: Ernst Lubitsch; D: Henny Porten, Emil Jannings)

Metropolis (D 1927, R: Fritz Lang; D: Brigitte Helm, Gustav Fröhlich, Alfred Abel)

Dr. Mabuse, der Spieler (D 1922, R: Fritz Lang; D: Rudolf Klein-Rogge, Aud Egede-Nissen, Gertrude Welcker)

Go West (Der Cowboy, USA 1925, R: Buster Keaton; D: Buster Keaton, Kathleen Myers)

Der Golem - Wie er in die Welt kam (D 1920, R: Paul Wegener, Carl Boese; D: Paul Wegener, Lyda Salmonova, Albert Steinrück)

 


 

3) MUSIK FÜR STUMME BILDER - NEUE SUCHE NACH DER TONSPUR



Doku von Axel Fuhrmann, Deutschland 1997, Saarländischer Rundfunk, 60 Min.


 

In dieser Doku erzählt der Komponist und Pianist Pierre Oser über seine Arbeit an der Vertonung von NOSFERATU, die er mit zwei Kollegen geschrieben hat. Er schickt voraus, daß es früher üblich war, Stummfilme mit ihrer originalen Partitur zu begleiten. Zunehmend seien aber auch neue, eigene Kompositionen und Experimentelles erlaubt. Bei NOSFERATU kam eine Musikversion mit lateinischen Chorgesängen heraus. Diese Fassung, von der hier Ausschnitte gezeigt werden, wurde erstmals in Japan präsentiert. Zu Wort kommt auch ein italienischer Chorleiter, für den dies etwas Neues ist, da die Musik durch den Film neue Ausdrucksmöglichkeiten gewinne. Er spricht gar von der Verschmelzung der mediterranen und der nordischen Kultur, was eine Öffnung in Richtung einer gemeinsamen europäischen Kultur biete. Es gibt einen kurzen Filmclip von Friedrich Wilhelm Murnau bei Dreharbeiten zu bestaunen. Zusammen mit dem Komponisten Frank Strobel hat Oser hat Musikfassung für zwei Klaviere für Eisensteins PANZERKREUZER POTEMKIN geschrieben. Hiervon sind ebenfalls Filmausschnitte zu sehen. Strobel erwähnt ein paar interessante Dinge in Sachen Filmmusik: Ein Stummfilm habe um die tausend Synchronpunkte, die die Musiker zu beachten hätten. Simples Beispiel: Wenn etwas herunterfällt: Der Musiker darf nicht erst dann reagieren, um einen musikalischen Akzent zu setzen, weil die Szene ja dann schon vorbei wäre, sondern muß kurz vorher einen Synchronpunkt haben, an den er sich orientieren könne. Gelegentlich werde sich auch an Zwischentiteln orientiert, weil man im Augenwinkeln dann wahrnehme, daß das Bild dunkler wird, etc. Berichtet wird zudem über die Originalpartitur von Edmund Meisel zu PANZERKREUZER POTEMKIN. Als der Film nach Deutschland kam, ging er erst einmal durch die Zensur und durchlief Schnittauflagen und Umstellungen, sodaß der Film erst zehn Tage vor der deutschen Uraufführung fertig geworden sei, und Edmund Meisel nur wenige Tage hatte, um eine Begleitmusik zu komponieren. Eisenstein gab ihm mit auf den Weg, daß die Musik, genau wie der Film, rhythmische Akzente setzen sollte, und daß sie beispielsweise in bestimmten Szenen an Maschinengeräusch erinnern sollte. Die „Macht des Komponisten“ wird erläutert: Ein Komponist habe die verantwortungsvolle Aufgabe über das Verständnis des Films in der Hand. Je nach Wahl der Musik könne dem Publikum zum Beispiel zu verstehen gegeben werden, welchen Charakter die Figur hat, usw. Einige Filme, als Beispiel dient ein Ausschnitt aus der Komödie SCHUHPALAST PINKUS mit Ernst Lubitsch, gäben jedoch eine bestimmte Art von Musik vor, wobei man nicht groß experimentieren könne.


 


 

 

 

Sonstiges

 

1) STOPPT DEN TONFILM  

 

Essay aus der Reihe ZDF-Matinée/Pointen vor 12, R: Wolfgang F. Henschel, 5 Min.

 

Ein herrlicher kleiner Schnipsel. Zwei Sprecher, Klaus Guth und Elert Bode, zitieren aus zeitgenössischen Texten berühmter Regisseure und Literaten wie Urban Gad, Charlie Chaplin und Kurt Tucholsky, die gegen den aufkommenden Tonfilm protestierten. Argumente für den stummen Film waren beispielsweise der schlechte Ton der frühen Tonfilme. Der Musikerverband argumentierte, Tonfilm sei schlecht konserviertes Theater. Sie forderten Stummfilme mit Orchesterbegleitung, nicht zuletzt natürlich auch deswegen, weil daran ihr Broterwerb hing.

 

 

2) LATERNA MAGICA - DIE WUNDER-SCHAU 

 

Film von Gudrun Friedrich, Deutschland 1996, BR, 30 Min.

 

Für das 19. Jahrhundert war die Laterna Magica das, was für uns heute Kino und TV ist. In dieser kurzweiligen Doku lassen Karin Bienek und Ludwig Vogl die alte Projektionskunst der Laterna Magica aufleben. Erfunden um 1650, erreichte das Erzählen von Geschichten mit Wandel- und Nebelbildern im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt bis zur Erfindung des Kinos. Vogl gibt Einblick in Technik und Aufbau des Projektionsapparates, der in früheren Epochen die Schaulust des Publikums befriedigte. Er führt viele, noch heute sehr beeindruckende Bewegungsbilder vor, die Karin Bienek mit Musik, Gesang, Text und Tanz begleitet wie zu Ur-Ur-Uropas Zeiten. Gezeigt werden Schiffe auf wogenden Wellen, Sturm und Blitzeffekte, eine mitternächtliche Spukgeschichte, um nur die Highlights zu nennen.

 

3) DAS RÄTSEL UM DEN ERSTEN FILM

 

 

Kurzbericht von Francois Ede, Frankreich 1995, arte, 12 Min.

 

Eine kuriose Mini-Doku, in der es darum geht, mit wissenschaftlicher Methodik das genaue Datum der Dreharbeiten des allerersten Films herauszufinden. Es ist bekannt, daß die Brüder Lumière am 28.12.1895 zum ersten Mal vor Publikum bewegte Bilder auf eine Leinwand projizierten. Auch der Titel des Films ist bekannt: LA SORTIE DES USINES LUMIERE (Arbeiter verlassen die Fabrik). Unter Berücksichtigung historischer Wetterdaten legt sich der Filmhistoriker Bernard Chardère auf den 19.03.1895 fest. Dies widerspricht jedoch den Aufzeichnungen von Louis Lumière, der da sagt, die Aufnahmen hätten bereits am Ende des Sommers 1894 stattgefunden. Dies ist aber nicht möglich, da im Film an den Schatten zu sehen ist, daß die Bäume keine Blätter haben! Noch verwirrender wird die Lage durch den Umstand, daß gleich drei Versionen des Films existieren, die Arbeiter zeigen, die die Fabrik verlassen! Sie variieren in kleinen Details. Mal verläßt ein braunes Pferd, mal ein weißer Schimmel das Fabriktor, mal sind Radfahrer zu sehen. Zwei Versionen scheinen sogar inszeniert zu sein, da jeweils der selbe kleine Gag vorkommt. Mittels eines Computerprogramms, das diverse Parameter erfaßt, wie Schattenstudien, Öffnungswinkel der Türen, Neigungswinkel des Geländes etc., kommt man zu dem Schluß, daß die Dreharbeiten des ersten Films am 10.03.1895 (um 11 Uhr!) stattgefunden haben.

Highlight: Zu sehen ist erstmalig ein Film, der spielende Kinder im Winter zeigt. Der Film konnte nie projiziert werden, da er aus der Zeit vor 1895 stammt, als die Brüder Lumière noch mit Papierfilm experimentierten.

 

 

4) PALORA - DAS WANDERKINO


Doku von Peter Emmer u. Christine Benning, Deutschland 1996, BR, 45 Min.

 

Ein Kamerateam begleiten Miriam und Martin, die mit Roß und Wagen und einer gehörigen Portion Idealismus durchs Land ziehen. Die beiden betreiben das Wanderkino „Palora“. Beide verbindet die Liebe zum Reisen und Fahren (sie waren früher Mitarbeiter in einem Zirkus) und zum Kino. Die Filme, die sie vorführen, sind kurze, teils colorierte, Filme der Jahrhundertwende, die aus der Cinémathèque Suisse in Lausanne stammen. Zwei davon werden in dieser Doku nahezu komplett gezeigt. Die Filme werden zu Musik von Schellackplatten aufgeführt. Für Miriam und Martin geht es darum, eigene Träume und Vorstellungen zu verwirklichen. Dazu gehören aber auch Durchhaltevermögen und Knowhow, denn das Geschäft läuft nicht von selbst. Es wird erzählt, welchen alltäglichen Schwierigkeiten sie begegnen. Das fängt schon an beim Wetter und dem zeitraubenden Auf- und Abbau der Kinofassaden und Bestuhlung (im Winter im Zelt). Die Anfänge ihres Wanderkinos waren kostenintensiv; Fassade des Kinos, Projektoren und Lichtanlagen haben ihren Preis. Miriam kümmert sich vor allem um das Pferd und um die Werbung. Sie rezitiert Verse während der Vorstellungen. Dabei trägt sie Kleider wie aus Omas Zeiten. Martin kümmert sich ums Technische und gibt den Erzähler bei der Projektion.

 

 


 

5) DIE LANGEN FERIEN DER LOTTE H. EISNER


 


 

Interview von Sohrab H. Saless, Deutschland 1979, Multimedia GmbH, WDR, 60 Min.


In diesem einstündigen Interview wird die damals 83-jährige Lotte H. Eisner (das H steht für Henriette) über verschiedene Stationen ihres Lebens befragt. Eisner hatte 1952 das bis heute vielleicht bedeutendste oder zumindest bekannteste Buch über den deutschen expressionistischen Stummfilm geschrieben: „Die dämonische Leinwand“. Eisner ist Doktor der Archäologie. Sie hat später Kunstgeschichte weiterstudiert. Angeblich bescheinigte ihr Doktorvater ihr, der ihre Arbeit als expressionistisch bezeichnet hatte, sie hätte Talent zum Schreiben. Zu dieser Zeit interessierte sie sich noch nicht besonders für das Kino. Sie schrieb Artikel über Kunst für die „Literarische Welt“. Eisner erzählt, sie machte auch Interviews für das „Berliner Tageblatt“. Ein Bekannter besuchte 1927 mit ihr ein Filmatelier. Sie hatte den Job, ihre Eindrücke von den Dreharbeiten niederzuschreiben, so Eisner. Daraus wurde eine Festanstellung beim „Film-Kurier“; von nun verfaßte sie Film- und Theaterkritiken. Eisner lernte den filmischen Expressionismus kennen, als dieser 1927 schon längst Geschichte war. Doch hatte sie Erfahrung in dieser Stilrichtung seitens der Literatur, der Kunst und des Theaters. Als die Nazis in Deutschland ans Ruder kamen, floh Eisner, die Jüdin war, zu ihrer Schwester, die mit einem Franzosen verheiratet war, nach Paris. Dort gab sie Latein- und Deutschunterricht, arbeitete als Sekretärin und Telefonistin. Eisner hat nicht nur positive Erinnerungen an diese Zeit, da sie als Emigrantin in Frankreich nicht überall willkommen war, schon gar nicht, als dann der Krieg ausbrach. Schließlich begegnete sie dem Regisseur Georges Franju und Henri Langlois, dem späteren Begründer der Cinémathèque Francaise. Eisner erzählt, Langlois hatte die Koffer voller alter Filmplakate, Programme, Scripts und Fotos. Sie half ihm beim ordnen. Gemeinsam sahen sie sich alte Filme an. Ihn Kinos gruben sie nach Stummfilmen und Exponaten, das sie für den Aufbau eines Filmmuseums verwenden konnten. Nach dem Krieg arbeitete Eisner für Langlois in der Cinémathèque. Sie hatte immer noch Verbindungen nach Deutschland, kannte Regisseure, und trug Material zusammen, z.B. Skizzen vom expressionistischen Stummfilms RASKOLNIKOW, die der russische Setdesigner Andrej Andrejev bei sich fand, so Eisner. Eisner gehörte neben den jungen französischen Regisseuren der Nouvelle Vague, wie Truffaut und Godard, zu den Leuten, die 1968 gegen die Absetzung von Henri Langlois an der Spitze der Cinémathèque Francaise protestierten. Die Cinémathèque wurde vorübergehend geschlossen. Im Interview nimmt Eisner Bezug zu Fritz Lang, der von sich behauptet habe, niemals Expressionist gewesen zu sein. Anhand der Beleuchtung in seinen Filmen der 20er Jahre, die teilweise einen expressionistischen Stil aufwies, hätte sie ihm das Gegenteil bescheinigt. Der Film-Expressionismus, so Eisner, hielt sich in Deutschland nach seiner Blütezeit am ehesten noch weiter im Dekor und der Beleuchtung. Auch einige Schauspieler hätten einen expressionistischen Stil gehabt, z.B. Alexander Granach, Werner Krauss und vor allem Fritz Kortner. Am Ende des Interviews nimmt sie Stellung zum Beruf des Filmkritikers. Sie selbst sei immer froh gewesen, wenn sie gute Kritiken schreiben konnte, wenn sie jemanden „entdecken“ und mit positiver Kritik fördern konnte. Wenn ihr etwas nicht gefiel, so Eisner, schrieb sie erst gar nicht darüber. Sie kann nicht verstehen, daß gerade deutsche Kritiker pessimistische Kritiken schreiben und auch noch ein Vergnügen am Verriß haben. Und dann resümiert Eisner noch, die Deutschen brauchten eine gewisse innere Verzweiflung, eine Exaltiertheit, eine Form des Protests, um kreativ Schaffen zu können. Geht es ihnen zu gut, so käme das Kleinbürgerliche zutage. Aus dieser „Stimmung“ der 20er Jahre resultierten die guten deutschen Filme der damaligen Zeit.



 


...Besprechung weiterer Dokus in loser Folge...

 

 

 

 


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